«Der Kanton kann mit diesem Projekt seine Vorbildrolle im Bereich Nachhaltigkeit wahrnehmen»
07.08.2026
Holz aus Bündner Wäldern, modernste Bauweise und höchste Ansprüche an Nachhaltigkeit: Mit dem neuen Fachhochschulzentrum Graubünden entsteht in Chur eines der bedeutendsten öffentlichen Bauprojekte des Kantons. Der Neubau soll weit mehr sein als ein Hochschulgebäude – er ist ein Bekenntnis zum Bildungsstandort, zur regionalen Wertschöpfung und zum nachhaltigen Bauen. Im Interview erklärt Kantonsbaumeister Andreas Kohne, weshalb das Projekt als Leuchtturm gilt, welche Herausforderungen der Bau mit regionalem Holz mit sich bringt und welche Impulse das Fachhochschulzentrum für künftige Bauvorhaben setzen soll.
Andreas Kohne, was macht das neue Fachhochschulzentrum Graubünden aus Ihrer Sicht zu einem Leuchtturmprojekt für den Kanton?
Mit dem neuen Fachhochschulzentrum Graubünden entsteht eine moderne und nachhaltige Infrastruktur, die Bildung, Forschung und Wirtschaft im Kanton langfristig stärkt. Das Projekt überzeugt durch hohe städtebauliche, architektonische und räumliche Qualitäten und berücksichtigt die Grundsätze des nachhaltigen Bauens.
Welche Bedeutung hat der Neubau für den Bildungs- und Forschungsstandort Graubünden?
Mit dem Bau des Fachhochschulzentrums Graubünden setzt der Kanton Graubünden ein starkes Zeichen für den Hochschul-, Bildungs- und Forschungsstandort. Die Konzentration der Aus- und Weiterbildung sowie der Forschung am Standort Chur schafft optimale Voraussetzungen, um die Bedürfnisse der Bündner Wirtschaft und Forschung nachhaltig und wirkungsvoll zu erfüllen.
Der Kanton Graubünden setzt bewusst auf Bündner Holz. Weshalb war dieser Entscheid für das Projekt wichtig?
Holz ist ein Rohstoff, der in den Bündner Wäldern ausreichend und von guter Qualität vorhanden ist. Gleichzeitig ist Holz auch ein sehr nachhaltiges Baumaterial. Das Fachhochschulzentrum Graubünden nutzt lokal beschafftes Holz und stärkt damit die regionale Wertschöpfung und nachhaltige Forstwirtschaft.
Wie anspruchsvoll war es, das Holz aus regionalen Wäldern in ein Bauprojekt dieser Grösse einzubinden?
Bei einem Projekt dieser Grössenordnung war die Beschaffung von regionalem Holz anspruchsvoll und organisatorisch sehr aufwändig. Es galt, sämtliche Beteiligten, sprich 33 Gemeinden, 8 Sägereien sowie eine Arbeitsgemeinschaft mit 4 Zimmereien zu koordinieren und gleichzeitig die geforderte Qualität des Holzes sicherzustellen. Bei der Planung war eine grosse Vorlaufzeit notwendig, damit das Holz rechtzeitig zum Baubeginn in der gewünschten Dimension und Qualität aus den Bünder Wäldern beschafft werden konnte.
Welche Rolle spielen die Bündner Forstbetriebe, Sägereien und Holzbauunternehmen in diesem Projekt?
Die Bündner Forstbetriebe, Sägereien und Holzbauunternehmungen spielten eine wichtige Rolle. Es galt eine grosse Menge Holz zu schlagen und zu Balken zu verarbeiten, mit klaren Vorgaben bezüglich Dimensionen, Termin und Qualität. Beim ganzen Projekt hat man gespürt, dass sich alle Beteiligten sehr stark dafür eingesetzt haben, dass diese nachhaltige Holzbeschaffung zu einem Erfolg wird.
Was unterscheidet den Bau mit Holz bei einem solchen Grossprojekt von einer herkömmlichen Bauweise?
Der Holzbau resp. Hybridbau unterscheidet sich von einer herkömmlichen Bauweise vor allem durch den Vorfertigungsgrad. Viele Bauteile werden bereits im Werk hergestellt und auf der Baustelle nur noch montiert. Dadurch verkürzt sich die Bauzeit. Gleichzeitig erfordert der Holzbau eine besonders sorgfältige Planung und enge Abstimmung aller Beteiligten, da nachträgliche Änderungen schwieriger umzusetzen sind.
Wo liegen aus Sicht des Hochbauamts die grössten Herausforderungen in der Planung und Koordination?
Bei jedem Bauvorhaben des Hochbauamts gilt es, Herausforderungen zu meistern. Beim Fachhochschulzentrum Graubünden sind diese aufgrund der Grösse, der Komplexität und des hohen Tempos besonders anspruchsvoll. Eine sorgfältige Planung, eine enge Koordination und die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten sind entscheidend, um Termine, Qualität und Kosten einzuhalten. Dank dem engagierten Planungsteam und dem bisher reibungslosen Bauablauf schreitet das Projekt sehr erfolgreich voran.
Was bedeutet Nachhaltigkeit beim Fachhochschulzentrum konkret?
Das Fachhochschulzentrum Graubünden setzt auf energieeffizientes Bauen und ressourcenschonende Materialien für eine zukunftsfähige Bildungs-, Forschungs-, und Arbeitsinfrastruktur. Nachhaltigkeit wird als integraler Ansatz verstanden, um die ehrgeizigen Labels Minergie-A-ECO und SNBS-Platin zu erreichen. Um Ressourcen zu sparen, wird für jeden Zweck jeweils das geeignetste Material angewandt und wo möglich eine Wiederverwendung für die Zirkularwirtschaft eingeplant.
Welche Erkenntnisse aus diesem Projekt könnten für künftige öffentliche Bauvorhaben im Kanton wichtig sein?
Der Kanton kann mit diesem Projekt seine Vorbildrolle im Bereich Nachhaltigkeit wahrnehmen und zeigen, dass nachhaltiges Bauen auch bei Grossprojekten erfolgreich umgesetzt werden kann. Die Erfahrungen mit der lokalen Holzbeschaffung zeigen, dass der Einsatz regionaler Ressourcen auch bei einem Projekt dieser Grössenordnung möglich ist. Gleichzeitig konnten wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden, die für zukünftige Bauvorhaben genutzt werden können.
Was sollen Studierende, Mitarbeitende und Besucherinnen und Besucher spüren, wenn sie das neue Fachhochschulzentrum betreten?
Mit dem neuen Fachhochschulzentrum Graubünden wird eine moderne, nachhaltige Infrastruktur geschaffen, die Bildung, Forschung und Wirtschaft im Kanton stärkt. Mit dem Fachhochschulzentrum Graubünden wird nicht nur ein Identifikationsort geschaffen, sondern auch eine attraktive und zukunftsorientierte Bildungs-, Forschungs- und Arbeitsstätte für die kommenden Generationen im Kanton. Das Gebäude wird eine gute Atmosphäre ausstrahlen.

