«Holz ist der Baustoff der Zukunft»
07.08.2026
Mit dem neuen Fachhochschulzentrum Graubünden wird eindrücklich sichtbar, welches Potenzial im einheimischen Rohstoff Holz steckt. Für Paul Engler von Graubünden Holz ist das Projekt weit mehr als ein beispielhafter Holzbau: Es zeigt, wie Bündner Holz regionale Wertschöpfung schaffen, Transportwege verkürzen, CO₂ langfristig speichern und zu einer nachhaltigeren Bauwirtschaft beitragen kann. Im Interview erklärt er, weshalb dafür die gesamte Wertschöpfungskette vom Wald bis zum fertigen Gebäude gestärkt werden muss – und warum Holz für ihn der Baustoff der Zukunft ist.
Paul Engler, das neue Fachhochschulzentrum Graubünden setzt konsequent auf Bündner Holz. Welche Signalwirkung hat dieses Leuchtturmprojekt aus Ihrer Sicht für die gesamte Bündner Wald- und Holzwirtschaft?
Holz ist der einzige Baustoff, welcher in unserem Kanton nachwächst und in allen Regionen verfügbar ist. Leider verlässt er heute grösstenteils als Rundholz ohne weitere Wertschöpfung unseren Kanton. Der grösste Teil Bauholz wird dann wieder importiert. Dieses Projekt zeigt auf, dass wir unsere eigenen Ressourcen sehr wohl wirtschaftlich in grossen und modernen Bauten einsetzen können, sofern man die Stärken und Vorteile dieses Baustoffes bereits in der frühen Planung miteinbezieht.
Vom Wald über die Sägerei bis zum Holzbauunternehmen waren zahlreiche Bündner Betriebe am Projekt beteiligt. Welche Bedeutung hat diese regionale Wertschöpfungskette für den Wirtschaftsstandort Graubünden?
Die Bündner Holzkette hat in den letzten 30 Jahren verlernt, wie man das eigene Holz für moderne Holzbauprojekte durchgängig verarbeiten kann. Viele Halbfabrikate werden importiert. Mit der globalen Veränderung und den diversen Krisen ist klar geworden, wie schnell sich die Marktsituationen ändern und wie abhängig man von internationalen Lieferketten wird. Das ist auch anders möglich. Wird in unsere Holzkette und in deren Mitarbeiter investiert, erhält und schafft man attraktive Arbeitsplätze im ganzen Kanton. Holzberufe sind bei den Lernenden und bei einheimischen Handwerkern immer sehr beliebt. Für alle Berufe in der Holzkette ist die Motivation viel höher, wenn man weiss und sieht, was mit dem eigenen Rohstoff Holz gebaut wird.
Der Baustoff Holz erlebt derzeit eine Renaissance. Welche Vorteile bietet Holz gegenüber anderen Baumaterialien – sowohl in ökologischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht?
Holz ist der Baustoff der Zukunft. Er wächst nach, ist lokal verfügbar und sehr gut verarbeitbar. Im Verhältnis zur Tragfähigkeit ist Holz sehr leicht, speichert viel CO2. Holzbauten können sehr gut vorgefertigt werden, Trocknungszeiten entfallen und sind deshalb innert kürzester Zeit bezugsbereit. Besonders bei Aufstockungen sind Holzbauten fast unschlagbar. Holz eignet sich zur Mehrfachnutzung und ist ein idealer kreislauffähiger Baustoff. Er kann am Ende der Nutzungsdauer einfach in Energie umgewandelt werden.
Mit Grossprojekten wie dem Fachhochschulzentrum zeigt Graubünden, was mit regionalem Holz möglich ist. Welche Chancen ergeben sich daraus für künftige öffentliche und private Bauvorhaben im Kanton?
Holz wird immer noch viel zu wenig zugetraut. Noch heute ist das Image von Holzbauten, die viel teurer sind und brennen in vielen Köpfen. Beide Fakten basieren auf veralteten Blickwinkeln. Rechnet man alle Kosten von der kürzeren Bauzeit, bessere Planbarkeit auf der Baustelle, über die Energieeffizienz bis zum Rückbau ist Holz oft die preiswerteste Lösung. Holz brennt zwar. Im Brandfall sind jedoch fast immer Einrichtungsgegenstände, Elektrogeräte, Akkus oder dergleichen das Problem. Wenn’s brennt ist Holz richtig verbaut unglaublich lange standhaft und stabil. Was gibt es für ein besseres Objekt, um die Leistungsfähigkeit von Holz zu erleben als eine Fachhochschule, welche Ingenieure und Architekten, aber auch Bauherren der Zukunft ausbildet. Ich hoffe sie nehmen viel Begeisterung in ihren Alltag mit.
Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Welche Rolle wird Bündner Holz in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren für das nachhaltige Bauen und die Bauwirtschaft in Graubünden spielen?
Die Menschheit nimmt zu und die Ressourcen werden automatisch knapper. Wir müssen wieder mit dem lernen auszukommen, was verfügbar ist. Holz wird sicher knapper und wir haben viel Wald. Dieser muss verjüngt werden, damit er fit bleibt und den Klimaveränderungen standhalten kann. Gleichzeitig beeinflussen wir die CO2-Speicherung sehr positiv und effizient und das lokal, einfach und nachvollziehbar. Alle relevanten Fakten sprechen für Holzbauten. Doch nur wenn wir unsere Produktionsabläufe modernisieren, werden wir der Nachfrage gerecht werden können.

