«Innovation und Nachhaltigkeit gehören zu unseren strategischen Zielen»

Tradition trifft auf Innovation: Mit dem Einstieg in die Produktion von Pflanzenkohle schlägt Zindel United gemeinsam mit der Inkoh AG ein neues Kapitel auf. CEO Andreas Zindel erklärt, wie aus regionalem Restholz ein vielseitiger Rohstoff mit Mehrwert entsteht – für Böden, Bauwirtschaft und Klimaschutz. Gleichzeitig zeigt er auf, welche Chancen sich daraus für die Bauindustrie ergeben und welche strategische Rolle Inkoh innerhalb der Gruppe künftig einnehmen soll.

Andreas Zindel, was hat Zindel United dazu bewogen, mit der Inkoh AG in die Produktion von Pflanzenkohle einzusteigen?
Wir sind ein Bündner Unternehmen mit einer über 200-jährigen Geschichte und glauben an die Kraft einheimischer Ressourcen, allen voran Holz und Stein. Diese regionalen Kreisläufe wollen wir nicht nur nutzen, sondern stetig weiterentwickeln und intelligenter machen. Genau hier hat uns Pflanzenkohle überzeugt: Sie eröffnet die Möglichkeit, aus unbehandeltem Restholz aus unseren Wäldern ein hochwertiges Produkt zu schaffen, das gleich mehrfachen Nutzen stiftet. Es verbessert Böden, liefert Energie und speichert CO₂ langfristig. Aus einem bisher wenig genutzten Rohstoff entsteht so echte regionale Wertschöpfung mit einem konkreten Beitrag zum Klimaschutz. Diese Verbindung von Tradition, regionalen Ressourcen und Innovation war für uns der entscheidende Grund, mit der Inkoh AG in dieses Feld einzusteigen.

Pflanzenkohle gilt als wichtiger Baustein der Kreislaufwirtschaft. Welche Chancen sehen Sie speziell für das Baugewerbe und die Bauwirtschaft?
Pflanzenkohle ist eine Methode zur dauerhaften CO₂-Entnahme aus der Atmosphäre, eine sogenannte Carbon-Dioxide-Removal-Methode. Dabei wird biogener Kohlenstoff in eine sehr stabile, kaum abbaubare Form überführt. Gerade für das Baugewerbe, das erhebliche unvermeidliche CO₂-Emissionen verursacht, ist es enorm wichtig, solche dauerhaften Kohlenstoffsenken direkt in Baustoffe und Bauprojekte langfristig zu speichern. Auf dieser Grundlage haben wir Klark entwickelt, einen CO₂-neutralen Beton, bei dem Pflanzenkohle als Zusatzstoff eingesetzt wird. Der darin dauerhaft gespeicherte Kohlenstoff kompensiert die Emissionen, die insbesondere bei der Zementherstellung entstehen. Eine weitere Anwendung sind Baumsubstrate nach dem Schwammstadtprinzip. Pflanzenkohle kann Wasser zwischenspeichern und trägt so zu einem ausgeglicheneren Wasserhaushalt der Pflanzen bei. Das ist insbesondere bei der urbanen Begrünung interessant, weil Bäume in Städten meist nur wenig Raum für ihre Wurzeln haben und häufig entweder unter Trockenheit oder unter Staunässe leiden. Darüber hinaus sehen wir weitere vielversprechende Anwendungen von Pflanzenkohle im Bauwesen, die sich derzeit noch in unserer Forschungs- und Entwicklungspipeline befinden.

Welche strategische Bedeutung hat Inkoh innerhalb der Zindel United Gruppe?
Innovation und Nachhaltigkeit gehören zu unseren strategischen Zielen. Dazu zählt insbesondere der Anspruch, den ökologischen Fussabdruck der Gruppe kontinuierlich zu reduzieren und gleichzeitig neue, zukunftsfähige Geschäftsfelder zu erschliessen. Inkoh ist als Greentech-Unternehmen innerhalb der Gruppe ein Innovationstreiber. Es befindet sich weiterhin in einer ausgeprägten Aufbau- und Wachstumsphase und entwickelt neue Lösungen, mit denen sich Klimaschutz und wirtschaftliche Wertschöpfung verbinden lassen. Damit leistet Inkoh einen konkreten Beitrag zur Umsetzung der strategischen Ziele von Zindel United.

Nachhaltige Lösungen müssen sich auch wirtschaftlich rechnen. Wie gelingt Inkoh der Spagat zwischen ökologischer Verantwortung und unternehmerischem Erfolg?
Nachhaltigkeit muss wirtschaftlich tragfähig sein. Auch Inkoh muss profitabel sein, damit das Unternehmen gesund wachsen und langfristig einen relevanten Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Inkohs Geschäftsmodell basiert auf drei Haupteinnahmequellen: Wir produzieren erneuerbare Energie in Form von Strom und Wärme, verkaufen Pflanzenkohle für unterschiedliche Anwendungen und generieren CO₂-Zertifikate. Mit dem Verkauf dieser Zertifikate wird die messbare und dauerhaft erbrachte Klimaleistung wirtschaftlich vergütet. Damit wird Klimaschutz selbst zu einer Wertschöpfung. Solche wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind entscheidend, damit Unternehmen wie Inkoh ihre Lösungen skalieren und eine entsprechend grössere Klimawirkung erzielen können.

Wo soll die Inkoh AG in fünf bis zehn Jahren stehen und welche Vision verfolgen Sie mit dem Unternehmen?
In fünf bis zehn Jahren soll Inkoh ein profitables, wachsendes Unternehmen und ein relevanter Marktteilnehmer im Bereich der dauerhaften CO₂-Entnahme sein. Wir wollen sowohl in der Schweiz als auch international einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. Gleichzeitig wollen wir eine führende Rolle bei der Entwicklung neuer Anwendungen für Pflanzenkohle übernehmen. Unsere Vision ist es, regionale Wertschöpfung, technologische Innovation und Klimaschutz in einem wirtschaftlich erfolgreichen Geschäftsmodell zu verbinden.

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