Nein zur Nachhaltigkeits- initiative – Graubünden braucht Lösungen, nicht Symbolpolitik
26.05.2026
Als Präsident des Bündner Gewerbeverbands sage ich klar, die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» ist der falsche Weg für unseren Kanton. Unsere Unternehmen kämpfen bereits heute mit einem ausgeprägten Fachkräftemangel. Ob im Bau, im Gewerbe, in der Hotellerie, in der Gastronomie, im Gesundheitswesen oder in vielen weiteren Branchen: Es fehlen Menschen, die anpacken, Verantwortung übernehmen und unsere Wirtschaft tragen..
Gleichzeitig ist die Ausgangslage in Graubünden eindeutig: Wir sind von Abwanderung betroffen, und die demografische Entwicklung ist ungünstig. Geburten und Sterbefälle entwickeln sich in eine Richtung, die unseren Arbeitsmarkt zusätzlich unter Druck setzt. Das ist die Realität, mit der wir umgehen müssen. Gerade deshalb ist es falsch, schon heute starre Bevölkerungsgrenzen für das Jahr 2050 in der Verfassung festzuschreiben. Bis dahin kann geopolitisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich sehr viel passieren. Wir wissen nicht, wie sich die globale Lage entwickelt, wie sich die wirtschaftliche Transformation konkret ausgestalten wird und wie viele Arbeitskräfte unser Land und unser Kanton künftig tatsächlich benötigen. Wer heute so tut, als liesse sich das bereits abschliessend bestimmen, greift zu kurz.
Klar ist aber auch: Nicht jedes Problem lässt sich allein mit Zuwanderung lösen. Wir müssen das inländische Arbeitskräftepotenzial besser nutzen. Dazu gehört auch eine ehrliche Diskussion über unsere Arbeitskultur. Die Work-Life-Balance ist wichtig, sie darf aber nicht dazu führen, dass Leistungsbereitschaft, Verfügbarkeit und Berufseinsatz insgesamt weiter abnehmen. Auch hier liegt ein Teil der Antwort auf den Fachkräftemangel. Ebenso gilt, dass im Asylbereich bereits heute Instrumente und die gesetzlichen Möglichkeiten bestehen, die aber endlich konsequent umgesetzt werden müssten. Dafür braucht es keine starre Bevölkerungsgrenze in der Verfassung.
Die Nachhaltigkeitsinitiative setzt auf starre Obergrenzen statt auf pragmatische Lösungen. Sie schafft Unsicherheit und wäre gerade für die Bündner KMU ein klarer Nachteil. Entsprechend hat der Bündner Gewerbeverband die Nein-Parole beschlossen. Gerade in einer Zeit grosser Unsicherheit braucht Graubünden keine starren Grenzen, sondern flexible und verantwortungsvolle Lösungen. Deshalb lehne ich diese Initiative klar ab.

