BGV-Direktor referiert an der Grenzpendlertagung
04.06.2026
Der Bündner Gewerbeverband war am vergangenen Samstag zu Gast bei der 53. Grenzpendlertagung im Vinschgau. Im Zentrum der Diskussion standen die Zukunft des Arbeitsmarktes sowie der zunehmende Wettbewerb um Fachkräfte zwischen dem Vinschgau und Graubünden.
BGV-Direktor Maurus Blumenthal durfte bei der 53. Grenzpendlertagung die Bedeutung der Grenzgänger/innen für den Bündner Arbeitsmarkt aufzeigen. Sie haben in den vergangenen Jahren insbesondere in Südbünden eine bedeutende Rolle dabei gespielt, den Arbeitskräftemangel abzufedern. Insgesamt stammen rund 90 Prozent der über 10'000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus Italien. Rund 1200 davon kommen aus Südtirol. Der Fachkräftemangel ist jedoch längst nicht mehr nur ein Thema in Graubünden. Auch im Vinschgau wird qualifiziertes Personal zunehmend zur knappen Ressource. Während früher vor allem die deutlich höheren Löhne in der Schweiz ausschlaggebend waren, spielen heute weitere Faktoren eine immer wichtigere Rolle: attraktive Arbeitgeber, flexible Arbeitsmodelle, Familienfreundlichkeit und eine hohe Lebensqualität.
Wettbewerb ist entscheidend
Thomas Moriggl, Unternehmer aus dem Obervinschgau und Bezirksmitglied des Unternehmerverbands Südtirol, stellte in seinem Referat fest, dass seit dem Inkrafttreten des neuen Grenzgängerabkommens Anfang 2024 erste Rückkehrbewegungen aus der Schweiz erkennbar seien. Südtiroler Unternehmen punkten dabei unter anderem mit kürzeren Arbeitswegen, zusätzlichen Sozialleistungen und familienfreundlichen Rahmenbedingungen. Letztlich entscheidet auch hier der Wettbewerb um die besten Fachkräfte: «Die Unternehmen auf beiden Seiten sind gefordert, dem zunehmenden Fachkräftemangel mit innovativen und attraktiven Angeboten zu begegnen», so Moriggl.
Der demografische Wandel, die Abwanderung junger Fachkräfte und das neue Grenzgängerabkommen werden den Wettbewerb um Arbeitskräfte in den Grenzregionen weiter verschärfen. Umso wichtiger sind faire und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen sowie eine gezielte Zuwanderung von aussen, um den Arbeitskräftebedarf auf beiden Seiten der Grenze zu sichern. Neben den laufenden technischen Klärungen zum aktuellen Grenzgängerabkommen sollten die Gespräche über die steuerlichen Rahmenbedingungen nach 2034 frühzeitig aufgenommen werden. Planungssicherheit ist sowohl für Unternehmen als auch für Arbeitnehmende von zentraler Bedeutung. Auch der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Politik auf beiden Seiten der Grenze werden künftig weiter an Bedeutung gewinnen.

