Bündner Know-how für den Solarexpress auf Madrisa

Adrian Riedi

Die Vorgaben sind klar, die Termine knapp. Um den Solarexpress des Bundes mit Grosssolaranlagen in Graubünden zu unterstützen, wurde die Zendra AG in Chur gegründet. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss aus drei Bündner Unternehmen.

«Hinter Zendra steht ein Zusammenschluss dreier Bündner Unternehmen, die ihre Tätigkeit als Konsortium für alpine Photovoltaikanlagen starte­ten und sich heute gemeinsam für die Energiege­winnung mit alpinen Solaranlagen im grossen Massstab einsetzen.» So steht es auf der Webseite der Zendra AG. Doch was heisst das genau? Adri­an Riedi, Geschäftsführer und Verwaltungsrat der Zendra AG, erklärt es so: «Wir sind der Fachplaner von alpinen Solaranlagen in den Bergen, gebaut werden diese dann von spezialisierten Bauunter­nehmen.»

Zu den Anlagen, die von der Zendra AG geplant wurden, gehören mit Madrisa Solar und Sedrun Solar zwei alpine Freiflächenanlagen in Graubün­den. Ebenfalls von der Zendra AG geplant wurde die erste Freiflächenanlage der Zentralschweiz im Urner Schächental.

Drei Unternehmen, eine Firma
Gegründet wurde die Zendra AG von drei auf ver­schiedene Bereiche spezialisierten Unternehmen, die gemeinsam Lösungen zur Umsetzung des Solar­expresses beitragen wollten. Die Firma Reech AG ist auf anspruchsvolle Photovoltaikprojekte spezia­lisiert, die X Statik AG ist spezialisiert auf das Bau­ingenieurwesen mit Fokus auf der statischen Pla­nung und die InfraDigital AG ist der Spezialist für die Digitalisierung. «Bei solch grossen alpinen Pho­tovoltaikanlagen wie zum Beispiel Madrisa Solar braucht es das Know-how aller Firmen, um diese realisieren zu können», ergänzt Riedi. «Mit der Zen­dra AG bündeln wir deshalb unser Wissen.»

Ganzheitliche Lösung
Speziell an der Zusammenarbeit dieser drei Unter­nehmen unter dem Dach der gemeinsamen Zendra AG ist, dass sie nicht einfach für die Realisierung von alpinen Solaranlagen zusammenarbeiten, son­dern eine Systemlösung dafür entwickelt haben. Diese Systemlösung nennt sich Alpin Quattro und wurde von der Zendra AG zum Patent angemeldet. Die Herausforderungen für die Erstellung von alpi­nen Solaranlagen auf einer freien Fläche sind man­nigfaltig. Dabei gilt es bauliche, technologische und logistische Herausforderungen unter Extrembedin­gungen zu meistern. Man könne nicht einfach eine Anlage, welche im Mittelland funktioniere, einfach in die Berge transformieren, erklärt Riedi.

So kann man in den Alpen beispielsweise nur von Mai bis Oktober bauen, die Anlagen müssen in schwierigem und felsigem Gelände verankert wer­den und auch extremen Umwelteinflüssen wie Käl­te, Schnee und Wind standhalten. Mit der digitalen Systemlösung Alpin Quattro liefert die Zendra AG keine losen Komponenten, sondern eine ganzheit­liche Photovoltaik-Komplettlösung, die komplett digitalisiert ist und somit die Sicherheit einer indus­triellen Serienfertigung in die komplexe Realität der Alpen bringt.

Alpin Quattro besteht aus Komplettmodulen, be­stehend aus Verankerungselementen, dem Tisch aus Stahl mit jeweils sechs Solarmodulen und einer integrierten Verkabelung. Dank dieses schlanken und hindernisfreien Designs können sich Vieh und Wildtiere uneingeschränkt bewegen. «Ausserdem haben wir das ganze System auch so aufgebaut, dass es baubar ist», ergänzt Riedi, «denn Bauen im alpinen Gebiet braucht spezielles Know-how.» Das Ergebnis ist ein Alpin-Solarmodul, das als Bestand­teil des Gesamtsystems ausgelegt ist und auf Dau­erhaftigkeit und hohe Rahmenstabilität ausgerich­tet ist. So könne es den alpinen Belastungen über lange Zeit standhalten, schreibt die Zendra AG auf ihrer Webseite.

Solarexpress ist auf Kurs
Mit Madrisa Solar, Sedrun Solar und der Anlage im Schächental hat die Zendra AG drei alpine Solar­anlagen geplant. Trotzdem haben Aussenstehende hin und wieder den Eindruck, der Solarexpress sei kein Schnell-, sondern ein Bummelzug. Adrian Rie­di relativiert aber: «Das sind Projekte, die zwischen 60 und 100 Millionen Franken kosten, und wir bau­en in alpinem Gelände. Solche Anlagen realisiert man nicht einfach in ein paar Monaten.» Es möge für Aussenstehende schon wie ein Bummelzug wir­ken, für jene, die sich mit dem Projekt befassen, sei es aber tatsächlich ein Express, so Riedi weiter.

Ein weiterer Faktor sei, dass solche alpinen Solar­anlagen noch nie gebaut wurden in der Schweiz, dafür brauche es viel Innovation und neues Know-how. «Wir haben die Zendra AG vor vier Jahren gegründet, als der Solarexpress im Parlament ver­abschiedet und aufgesetzt wurde», sagt Riedi, «und seit diesem Zeitpunkt sind wir mit Vollgas dahinter.» Riedi betont auch, dass alle Vorgaben, die das Par­lament im Gesetz zum Solarexpress erlassen habe, bei diesen Projekten eingehalten werden. So seien bei allen drei Projekten Ende 2025 – wie vom Ge­setz verlangt – die ersten zehn Prozent Strom pro­duziert worden. Die vollständige Inbetriebnahme der alpinen Photovoltaikanlage Madrisa Solar ist auf Ende 2027 geplant, jene von Sedrun Solar Ende 2028, da diese auch grösser ist. Die beiden Anlagen in Graubünden umfassen im Endausbau 3170 res­pektive 5700 Solartische mit einer Leistung von 11 Megawatt Peak (Madrisa Solar) und 19,3 Megawatt Peak (Sedrun Solar).

Bauarbeiten an der Solaranlage Madrisa Solar

Übersicht Madrisa Solar

Mitarbeiter der Zendra AG bei der Anlage Madrisa Solar

Digitaler Zwilling von Madrisa Solar

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