Engagement ist verbreitet und wird in Graubünden gelebt

Gesellschaftliches und soziales Engagement ist für Unternehmer/innen eine Chance, sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren, die eigene Reputation zu stärken und zugleich die Entwicklung der Region als Wohn- und Arbeitsort mitzugestalten. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel, weltweiten Unsicherheiten und zunehmendem Standortwettbewerb gewinnen die Zusammenarbeit und das gemeinsame Engagement an Bedeutung.

Wir haben bei sechs Unternehmer/innen nachgefragt, warum sie sich engagieren. Einigkeit herrscht dabei bei allen: Soziales Engagement ist kein «Nice-to-have», sondern ein wichtiger Bestandteil unternehmerischer Verantwortung und eine Investition in die Zukunft von Betrieb, Gesellschaft und Region.

«Wer nichts beiträgt, ist Teil des Problems»

Orlando Strub, Inhaber Spezialitäten-­Metzg, Splügen: «Engagement bedeutet für mich innere Zufriedenheit und eine grosse persönliche Bereicherung. Aktiv leben ist meine Lebensqualität. Wir durften im Sog von engagierten Vorstreitern heranwachsen und dürfen nun unserer folgenden Generation wohlgesinnte Rahmenbedingungen erstreiten. Als KMU ist es besonders bereichernd, mit Menschen Freude und Herausforderungen zu erleben. Die erlebte Wertschätzung auf Augenhöhe von Mitarbeitern motiviert täglich aufs Neue. Ich denke nicht, dass Engagement ein Kalkül ist, sondern die Gewissheit, zu Hause Spiegel hängen lassen zu dürfen und im Dorf die Strassenseite nicht wechseln zu müssen. Bekanntlich ist es leichter, Probleme zu lösen als mit ihnen zu leben. Als Gemeinderat in einem Fünferkollegium mit drei Landwirtschaftsvertretern war es immens wichtig, bei der Gesamtrevision Ortsplanung jeden ­Quadratmeter möglichst der Gewerbe­zone, ZöBa oder dem Tourismus zukommen zu lassen. Auch hier ist es eine persönliche Genugtuung und ehrenhafte Verantwortung, die Anliegen aller Gewerbetreibenden im Tal zu vertreten. Da es glücklicherweise im Naturell des Walsers liegt, zwischen Sachpolitik und Persönlichem zu differenzieren, macht es dieses Engagement gewiss leichter. Repressionen habe ich in all den Jahren kaum erlebt.»

«Engagement bedeutet Einsatz mit viel Herz im Kopf»

Inana Handschin, Vorsitzende Geschäftsleitung, Josias Gasser Baumaterialien AG, Chur: «Aufgaben aktiv und mit Freude anzugehen und dabei immer den Anspruch zu haben, das Beste für unsere Kunden und uns zu erreichen. Mit dem Wissen, dass wir uns täglich in Spannungsfeldern bewegen, versuchen wir in der Geschäftsleitung, Verantwortung zu übernehmen, langfristig und sozial zu denken und Entscheidungen nicht nur nach kurzfristigen wirtschaftlichen Kriterien zu treffen. Für unsere Unternehmung ist Nachhaltigkeit ein zentraler Teil des Leitbilds. Engagement zeigt sich bei uns in der Förderung der Mitarbeitenden, in der Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, in der gezielten Unterstützung regionaler Vereine und im bewussten Umgang mit Ressourcen. Wertgeschätzte und geförderte Mitarbeitende bringen sich ein und geben ihre positive Haltung an Kundinnen und Kunden weiter. Das stärkt Motivation und Innovationskraft, macht uns als Arbeitgeber attraktiv und als Unternehmen erfolgreicher. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel ist dieses Engagement entscheidend. Darüber zu sprechen lohnt sich. Für uns und für die Region. Diese wird durch ein grosses Angebot an attraktiven Arbeitgebern gestärkt, und für uns als Unternehmung sind ein guter Ruf und ein hohes Ansehen ein Erfolgsfaktor.»

«Für eine lebenswerte und wirtschaftlich starke Zukunft»

Fabienne Dick, Geschäftsführerin, Swidro Drogaria Alpina, Ilanz: «Für mich bedeutet Engagement, über das eigene Unternehmen hinaus Verantwortung zu übernehmen. Es macht Freude, sich aktiv einzubringen, Impulse zu setzen und mitwirken zu können, wo Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung gefragt sind. Unternehmertum endet für mich nicht an der eigenen Drogerietür, es ist immer Teil eines wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ganzen. Engagement in Verbänden, Arbeitsgruppen heisst für mich, Verantwortung für die Menschen und für die wirtschaftliche Entwicklung vor Ort zu übernehmen. Das zeigt sich in der bewussten Zusammenarbeit mit regionalen Partnern, in der Förderung und Wertschätzung meiner Mitarbeitenden sowie im Austausch mit Unternehmerinnen und Unternehmern. Wieso setze ich mich ein und investiere Zeit und Energie in Projekte ausserhalb meines Unternehmens? Es ist nicht sofort sichtbar oder messbar, doch jedes Engagement setzt Impulse, aus denen Neues entstehen kann – Ideen, Kooperationen oder gesellschaftliche Verbesserungen. Zeit ist ein wertvolles Gut, umso wichtiger ist es, Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. Engagement ist für mich kein Zusatz, sondern eine Investition in eine lebenswerte und wirtschaftlich starke Zukunft unserer Region.»

«Engagement bedeutet Verbundenheit mit der Gemeinde und der Region»

Reto Weisstanner, Inhaber Weisstanner AG Elektroinstallationen, Celerina: «Der Gedanke, dass ich dies als Unternehmer mache, ist für mich zweitrangig. Als Unternehmer liegt es einem im Blut, etwas zu unternehmen und etwas zu bewegen. Es liegt in der Natur der Sache, dass du als Unternehmer deine Ansichten so einbringst, dass es deinem Unternehmen etwas bringt. Das soll und darf jedoch nie im Vordergrund stehen. Die Motivation, solche Aufgaben zu übernehmen, soll immer zum Wohl aller und der Gemeinde/ Region dienen. So kommt es automatisch auch wieder zurück auf dein Unternehmen, denn wenn es der Gemeinde und deiner Region gut geht, dann profitierst du definitiv auch mit deiner Unternehmung. Für mich ist es wichtig, offen darüber zu sprechen, warum ich solche Aufgaben übernehme. Es soll zum Ausdruck kommen, dass solche Aufgaben sehr interessant sind und einem viel Freude bereiten. Es darf aber auch gesagt werden, dass es nicht immer Spass macht, dass solche Aufgaben auch negative Aspekte haben. Offene und ehrliche Kommunikation erhöht die Glaubwürdigkeit deines Wirkens für die Allgemeinheit. Es gibt leider immer noch zu viele Leute, die immer nur sagen, man tue dies wegen der Unternehmen und dem Profit. Dass dies vor allem in kleinen Gemeinden und Regionen nicht so ist, kann ich nur bestätigen. Den oben genannten Vorwurf hört man leider immer wieder. Gerade mit jungen Leuten ist es wichtig, dass offen und ehrlich kommuniziert wird und dass die positiven Aspekte überwiegen, denn diese Personen sind die, die in Zukunft auch solche Engagements übernehmen sollen. Mein Fazit ist klar: Ein Engagement für die Öffentlichkeit bedeutet für mich vor allem Verbundenheit mit dem Kanton, mit der Gemeinde und mit der Region. Es ist wichtig und in erster Linie ein Dienst zu Gunsten der Bevölkerung und der Allgemeinheit.»

«Wir Unternehmer sind stark gefordert»

Norbert Schaniel, Inhaber Schaniel Gartenbau Floristik AG, Malans: «Als Inhaber/in engagiert man sich ja grundsätzlich schon mit Herz und Seele für das Unternehmen und seine Mitarbeitenden. Man setzt sich für das Weiterkommen ein. Um möglichst gute Rahmenbedingungen schaffen zu können, lohnt es sich als Unternehmer, in der Region auch über den eigenen Tellerrand zu schauen und andere Ansichten zu erhalten. Das aktive Engagement beim Mitgestalten der diversen Rahmenbedingungen auf kantonaler oder gar nationaler Ebene hilft, einen Einblick in diverse Berufsgattungen zu bekommen und zu erfahren, mit welchen Problemen und Schwierigkeiten andere Betriebe kämpfen. Ebenso erachte ich es als wichtig, dass wir Unternehmer uns für den Fortbestand der Berufsgattungen einsetzen und möglichst optimale Ausbildungsplätze anbieten. Die Erweiterung des eigenen Netzwerks sowie der Austausch von Ideen und unternehmerischen Ansichten stärkt mich und bringt mir eine wichtige, persönliche Horizont­erweiterung. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Betrieben gewinne ich oft Lösungsansätze, welche ich in mein Unternehmen einbringen kann. Die Mitarbeit in einem gewerblichen Verein hilft auch wesentlich mit, den Bekanntheitsgrad des Betriebs zu stärken und ist oft auch ein Türöffner für Aufträge. Ein regelmässiger Austausch unter Fachleuten bietet die Möglichkeit, wichtige Erkenntnisse und Erfahrungen weiterzutragen und auch selbst zu erhalten. In der heutigen Zeit sind wir Unternehmer täglich stark gefordert, alle Neuerungen, Anforderungen und Herausforderungen zu meistern.»

«Es braucht das Engagement von Unternehmerinnen und Unternehmern»

Victor Flepp, Inhaber Scrinaria Flepp SA, Disentis: «Ein Unternehmen in der Bergregion zu führen, verlangt von den Verantwortlichen einiges mehr an Zeitaufwand, verglichen mit den Arbeitnehmenden. Bei der Übernahme der Schreinerei vor gut drei Jahrzehnten war mir das wohl bewusst. Und doch war es mir wichtig, neben dem Wunsch, einen Betrieb erfolgreich zu führen, mich auch für die zukünftige Entwicklung der Gemeinde und der Region zu engagieren. Für die kommunale und regionale Wirtschaft ist es wichtig, dass die Rahmenbedingungen für die Unternehmen aller Branchen gut ausgerichtet sind. Die Gemeinde- und Regionalpolitik stellt die Weichen dazu. Um das mitzugestalten, war ich bereits in jungen Jahren im Gemeindeparlament tätig und präsidierte den UCP in Disentis. Das Gewerbe ist ein wichtiges Element für das Wohlergehen einer Gemeinde. Attraktive Arbeits- und Lehrplätze sowie optimale Rahmenbedingungen für das Ge­werbe sind zentrale Elemente und Voraussetzungen für Wohn- und Arbeitsplätze. So wurde zum Beispiel eine neue Gewerbezone in Disentis eingezont, wo sich neue und bestehende Unternehmen in der Gemeinde ansiedeln und sich weiterentwickeln. Es ist zentral, in Berggemeinden alles zu unternehmen, um die Wettbewerbsfähigkeit mit interessanten Wohn- und Arbeitsbedingungen zu haben. Dazu braucht es Engagement und das ­Mitwirken als Unternehmer/in in den ­verschiedenen Institutionen auf Ge­mein­de- und regionaler Ebene.»

 

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