Mitgliederumfrage: KI auf dem Vormarsch in Bündner Unternehmen

Die diesjährige Umfrage unter Bündner Unternehmen zeigt, dass zahlreiche Bündner Unternehmen über einen hohen Digitalisierungsgrad verfügen und Künstliche Intelligenz sich zunehmend im Unternehmensalltag etabliert. Der digitale Entwicklungsstand in den Branchen ist zwar sehr unterschiedlich, es herrscht aber eine positive Grundhaltung gegenüber der Künstlichen Intelligenz.

Die Ergebnisse der diesjährigen Mitgliederumfrage zeigen, dass ein beachtlicher Teil der Bündner Wirtschaft die Grundlagen der Digitalisierung weitgehend geschaffen hat, wobei Effizienzsteigerung der wichtigste Digitalisierungstreiber ist. Der Fokus verschiebt sich nun von der technischen Einführung hin zur Optimierung von Prozessen, Nutzung von Daten und Weiterentwicklung der digitalen Kompetenzen der Mitarbeitenden. Insgesamt zeigt die Umfrage, dass die Mehrheit der Betriebe bereits KI-Anwendungen nutzt, darin klare Vorteile sieht und künftig Entlastungen sowie Produktivitätsgewinne erwartet. Bündner Unternehmen sehen KI daher als Chance, und der nächste Entwicklungsschritt liegt vor allem im Kompetenzaufbau und in der Umsetzung konkreter Anwendungen. Allerdings führt der KI-Einsatz derzeit noch nicht einheitlich zu einer Arbeitsentlastung. Viele Unternehmen befinden sich in einer Anfangsphase, in der Implementierung und Anpassung zunächst zusätzliche Ressourcen beanspruchen.

Unternehmen setzen auf Effizienz durch Digitalisierung
Rund 40 Prozent der Betriebe schätzen sich stark beziehungsweise weitgehend digitalisiert ein und 50 Prozent als teilweise digitalisiert. Der grösste zusätzliche Digitalisierungsbedarf besteht in der Administration und im Backoffice (59%), gefolgt vom Einsatz von KI (52%) sowie der IT-Sicherheit (40%). In den letzten drei Jahren wurde vor allem in der Buchhaltung und Administration (78%), in Cloud-Lösungen (53%) sowie Prozessautomatisierung (45%) investiert. Die Unternehmen verfolgen mit der Digitalisierung in erster Linie das Ziel, ihre Effizienz zu steigern (85%), Mitarbeitende zu entlasten (59%), laufende Fix-Kosten zu senken (58%) sowie ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern (47%). Gleichzeitig zeigt sich, dass Zeitmangel (48%), fehlendes Know-how (48%) und fehlende Zeit im operativen Alltag (37%) die grössten Hürden für eine weitere Digitalisierung darstellen.

KI etabliert sich zunehmend im Unternehmensalltag
KI ist in den Bündner Unternehmen bereits angekommen, befindet sich jedoch vielerorts noch in einer Einführungs- und Lernphase. 83 Prozent der Unternehmen nutzen KI oder testen entsprechende Anwendungen. Lediglich 17 Prozent verzichten bislang vollständig darauf. Am häufigsten wird KI in der Übersetzung (75%), Korrespondenz (59%), Marketing und Kommunikation (40%) sowie in der Administration (36%) eingesetzt. Am meisten verbreitet ist der Einsatz von allgemeinen KI-Tools wie ChatGPT oder Bild- und Textgeneratoren (51%), gefolgt vom Einsatz von KI-Funktionen in bestehender Software (17%). Schwach ausgeprägt ist derzeit noch der Einsatz von individuell entwickelten KI-Lösungen (7%) und der Entwicklung oder Nutzung von automatisierten KI-Prozessen oder KI-Agenten (5%). Nur ein Drittel der befragten Unternehmen hat bereits eine konkrete Regelung, um den Datenschutz im KI-Bereich sicherzustellen.

Positive Grundhaltung gegenüber KI
Die Umfrageergebnisse zeigen eine positive Grundhaltung gegenüber der Technologie: 55 Prozent sehen überwiegend Vorteile, 40 Prozent erkennen sowohl Vor- als auch Nachteile, während lediglich für 5 Prozent die Nachteile überwiegen. 75 Prozent der Unternehmen sind überzeugt, dass KI die Effizienz und Produktivität steigert, und rund 70 Prozent erwarten Veränderungen bei den Anforderungen an die Mitarbeitenden. Bereits heute berichten 48 Prozent von Zeiteinsparungen durch KI. In den kommenden zwei Jahren rechnen 66 Prozent mit einer Entlastung der Arbeitslast. Nur ein kleiner Anteil (13%) sieht in den kommenden Jahren eine Zeiteinsparung mit Personalabbau aufgrund von KI-Anwendungen. Die grössten Herausforderungen liegen im fehlenden technischen Know-how (52%), Datenschutzfragen (47%), fehlenden Kompetenzen der Mitarbeitenden (47%) sowie unklaren Anwendungsfällen (45%). Entsprechend wünschen sich die Unternehmen vor allem einen Überblick über geeignete KI-Lösungen (62%) und Best-Practice-Beispiele (60%). Rund ein Drittel sieht eine Unterstützung in einer Standortbestimmung mit konkreten Handlungsempfehlungen, dem Zugang zu Netzwerken, Erfahrungsaustausch oder Best-Practice-Plattformen oder im Bereich Weiterbildung und Schulung für Mitarbeitende.

Deutliche Unterschiede zwischen Unternehmen bei KI und Digitalisierung
Der digitale Entwicklungsstand der Wirtschaft ist heterogen. Während einzelne Branchen bereits weit fortgeschritten sind, bestehen in anderen Bereichen weiterhin grössere Digitalisierungspotenziale. Digitalisierung und KI werden insbesondere von grösseren, exportorientierten und wissensintensiven Unternehmen als zentrale Zukunftsthemen betrachtet. Entsprechend messen diese Unternehmen der Digitalisierung und KI auch eine grössere strategische Bedeutung zu: von knapp der Hälfte aller Unternehmen wird diese als hoch oder sehr hoch eingestuft, weitere 34 Prozent bewerten sie als mittelmässig. Der breite Einsatz von KI konzentriert sich aktuell ebenfalls vor allem auf grössere sowie exportorientierte Unternehmen. Kleinere oder traditionellere Branchen befinden sich dagegen vielfach noch in einer frühen Phase der Anwendung. Grössere Unternehmen verbinden mit KI deutlich stärkere Erwartungen an Produktivitätssteigerungen und Effizienzgewinne. Die Wahrnehmung von KI hängt stark von den praktischen Einsatzmöglichkeiten und den verfügbaren Ressourcen ab. Unternehmen mit konkreten Anwendungserfahrungen erkennen häufiger Chancen und Effizienzpotenziale, während andere Unternehmen Risiken oder Unsicherheiten stärker gewichten.

Informationen zur Umfrage

An der Online-Umfrage nahmen zwischen dem 24. April und dem 13. Mai insgesamt 324 Unternehmen teil, darunter rund zehn Prozent aller Betriebe in Graubünden mit mehr als zehn Mitarbeitenden. 25 Prozent der Umfrageteilnehmer erzielen mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit Gütern und Dienstleistungen ausserhalb des Kantons Graubünden. Die Branchen, Regionen und Betriebsgrössen sind in der Umfrage gemäss den Bündner Verhältnissen repräsentiert. Es fand keine Gewichtung statt. Die Baubranchen sind leicht über-, der erste Sektor sowie das Gesundheits- und Sozialwesen leicht unterrepräsentiert.



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