Nachfolge mit Weitblick

Eine erfolgreiche Nachfolgeregelung braucht Weitsicht, Vertrauen und den richtigen Zeitpunkt. Die Fanzun AG hat den Generationenwechsel über Jahre vorbereitet und damit die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft geschaffen. Seit 1. September 2025 führt Dario Geisseler das traditionsreiche Bündner Planungsunternehmen als CEO. Andrea Fanzun begleitet die Entwicklung neu als Verwaltungsratspräsident. Ein Führungswechsel, der beispielhaft zeigt, wie Nachfolge in einem KMU gelingen kann.

«Was meinst du dazu? Gefällt dir Variante 1 oder 2 besser?» Solche Fragen gehören bei Andrea Fanzun und Dario Geisseler zum Arbeitsalltag. Gemeinsam diskutieren sie über anspruchsvolle Bauprojekte, wägen unterschiedliche Lösungsansätze ab und treffen Entscheide. Mal bringt der eine einen neuen Gedanken ein, mal überzeugt das Argument des anderen. Am Ende zählt nicht, wer recht hat, sondern die beste Lösung für die Bauherrschaft. An dieser Zusammenarbeit hat sich bis heute nichts geändert. Nur die Rollen haben gewechselt. Seit dem 1. September 2025 trägt Dario Geisseler als CEO die operative Verantwortung der Fanzun AG. Andrea Fanzun hat den Vorsitz des Verwaltungsrats übernommen. Der Führungswechsel verlief beinahe geräuschlos. Dahinter steckt jedoch ein Prozess, der über Jahre vorbereitet wurde und beispielhaft zeigt, wie eine Unternehmensnachfolge gelingen kann.

Nachfolgeprozess startete 2018
Die Fanzun AG gehört mit ihren Standorten in Chur, Zürich und Engadin heute zu den führenden Gesamtplanern der Schweiz. Sie begleitet Bauherrschaften bei anspruchsvollen Projekten unter anderem in den Bereichen Architektur, Ingenieurwesen, Baumanagement und Bauherrenvertretung. Diese Entwicklung ist kein Zufall. Sie basiert auf einer Unternehmenskultur, die Zusammenarbeit, kurze Entscheidungswege und gegenseitiges Vertrauen seit Jahrzehnten lebt. Genau diese Werte prägten auch den Nachfolgeprozess. Bereits 2018 begann der Verwaltungsrat, sich intensiv mit der Zukunft des Unternehmens auseinanderzusetzen. Ziele wurden definiert, Etappen festgelegt und der Prozess regelmässig überprüft. Für Andrea Fanzun, Präsident Handelskammer und Arbeitgeberverband Graubünden, war früh klar, dass eine erfolgreiche Nachfolge Zeit braucht. «Der Nachfolgeprozess wurde früh gestartet. Die rationale Auseinandersetzung mit der zukünftigen Situation dauerte weniger lange als die emotionale.»

Als der Verwaltungsrat im Jahr 2020 die Weichen endgültig stellte, fiel die Wahl als möglicher zukünftiger Partner und CEO auf Dario Geisseler. Die Entscheidung war das Resultat einer sorgfältigen Entwicklung und nicht einer kurzfristigen Suche. Seit seinem Eintritt im Jahr 2016 hatte Geisseler Schritt für Schritt mehr Verantwortung übernommen. Als Bereichsleiter Bauingenieur, später als Leiter Ingenieurwesen und Chief Operating Officer lernte er das Unternehmen aus unterschiedlichen Perspektiven kennen. Parallel dazu absolvierte er einen Executive Master of Business Administration. Für Andrea Fanzun war deshalb klar: «Ausschlaggebend waren Ausbildung, Erfahrung, Alter und vor allem die Persönlichkeit.»

Auch Dario Geisseler blickt mit Dankbarkeit auf diesen Weg zurück. «Ich durfte zusammen mit dem Unternehmen wachsen», sagt er. Das Wissen über die Mitarbeitenden, die Unternehmenskultur und die Abläufe habe ihm den Einstieg in die neue Aufgabe wesentlich erleichtert. Gleichzeitig sei Andrea Fanzun weit mehr als ein Vorgesetzter gewesen. «In der Übergangsphase hat er es verstanden, die Verantwortung zu übergeben und gleichzeitig beratend zur Verfügung zu stehen. So konnte ich meinen eigenen Führungsstil einbringen.»

Unveränderte Grundwerte
Mindestens ebenso wichtig war die Bereitschaft des Vorgängers, wirklich loszulassen. Andrea Fanzun wollte nie ein Verwaltungsratspräsident sein, der weiterhin operativ mitentscheidet. «Mir war immer wichtig, dass ich mich nach der Übergabe wirklich nicht mehr ins operative Geschäft einmische.» Als sichtbares Zeichen bleibt der Freitag für ihn bis heute bürofrei. «Damit wollte ich nach innen wie nach aussen zeigen, dass ich nicht mehr für alles und jedes verantwortlich bin.»

Für den Untervazer Dario Geisseler bedeutet die neue Aufgabe Vertrauen und Verpflichtung zugleich. «Es ist für mich eine grosse Ehre, diese bedeutende Unternehmung führen zu dürfen. Gleichzeitig ist es eine grosse Verantwortung, das Unternehmen weiterzuentwickeln.»

An den Grundwerten soll sich nichts ändern. Vertrauen, Teamgeist und die enge Zusammenarbeit bleiben das Fundament der Fanzun AG. «Das Wir-Gefühl ist für uns und unsere Mitarbeitenden sehr wichtig. Diese Werte liegen mir am Herzen.» Gleichzeitig möchte Geisseler neue Akzente setzen. Mit dem Wachstum des Unternehmens werde die Zusammenarbeit über alle Bereiche hinweg immer wichtiger. Sein Ziel ist es, den Teamgedanken weiter zu stärken und gemeinsam mit Mitarbeitenden, Kunden und Partnern erfolgreich zu sein.

Verantwortung und Vertrauen
Auch für die Kundschaft bedeutet der Führungswechsel vor allem eines: Kontinuität. Die Fanzun AG bleibt ihrer Rolle als ganzheitlicher und disziplinenübergreifender Planungspartner treu. «Mit der Übergabe der CEO-Funktion können wir Kontinuität und Qualität sicherstellen, gepaart mit neuen innovativen Lösungsansätzen und Ideen», ist Geisseler überzeugt.

Die Geschichte der Fanzun AG zeigt, dass eine erfolgreiche Nachfolge nicht mit der Ernennung eines neuen CEO beginnt. Sie beginnt viele Jahre früher. Dort, wo Vertrauen wachsen kann, Verantwortung Schritt für Schritt übertragen wird und beide Seiten bereit sind, ihre neue Rolle anzunehmen. Genau darin liegt die eigentliche Stärke dieses Generationenwechsels. Nicht der Wechsel an der Spitze steht im Mittelpunkt, sondern die Gewissheit, dass Bewährtes weitergeführt und gleichzeitig Raum für neue Ideen geschaffen wird. Ein Beispiel, das weit über die Fanzun AG hinaus Beachtung verdient.

 

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