Tiefbau - das Fundament Graubündens
29.09.2026
Der Tiefbau bildet die unsichtbare Lebensader Graubündens. Er sorgt dafür, dass Wasser aus dem Hahn fliesst, Strom verfügbar ist, Daten übertragen werden, Verkehrswege funktionieren und Siedlungen vor Naturgefahren geschützt sind. Er schafft die Grundlage für Mobilität, Versorgung, Sicherheit, Besiedlung und wirtschaftliche Entwicklung. Seine Bauwerke stehen – mit Ausnahme eindrücklicher Kunstbauten – selten im Rampenlicht. Doch ohne sie würde das öffentliche Leben innerhalb kürzester Zeit zum Stillstand kommen.
Der Umsatz des Bauhauptgewerbes in Graubünden beträgt jährlich rund 1 Milliarde Franken, wobei der Anteil des Tiefbaus bei rund 55 Prozent liegt. Von den gesamten Bauinvestitionen in Graubünden von rund 2,34 Milliarden Franken entfallen somit rund ein Viertel auf den Tiefbau. Aufgrund seiner grossen Fläche, der alpinen Topografie und der dezentralen Besiedlung verfügt Graubünden über eine aussergewöhnlich umfangreiche Tiefbauinfrastruktur. Dazu gehören rund 5000 Kilometer Strassen- und Schienennetz sowie mehrere Zehntausend Kilometer Werkleitungen für Trinkwasser, Abwasser, Strom und Kommunikation. Für Letztere existieren keine vollständigen amtlichen Gesamterhebungen. Hinzu kommen über 10 000 Schutzbauwerke gegen Naturgefahren, darunter Lawinenverbauungen, Steinschlagschutznetze, Geschiebesammler, Wildbachsperren, Schutzdämme und Galerien.
Bedeutende Verkehrsinfrastruktur
Am sichtbarsten ist der Tiefbau bei der Verkehrsinfrastruktur. Die Rhätische Bahn betreibt ein 385 Kilometer langes Streckennetz mit 615 Brücken und Viadukten sowie 55 Tunneln. Der grösste Teil des Netzes entstand innerhalb von nur rund 25 Jahren – eine aussergewöhnliche Ingenieurleistung. Die Albulalinie und die Berninalinie wurden 2008 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen und zählen zu den spektakulärsten Gebirgsbahnen der Welt. Für den Güterverkehr, das Gewerbe und den Individualverkehr bleibt das Strassennetz unverzichtbar. Graubünden verfügt über rund 4700 Kilometer Strassen, darunter etwa 1500 Kilometer National- und Kantonsstrassen. Auf diesem Netz befinden sich über 1500 Brücken, Galerien und Tunnel.
Der Tiefbau ist stärker als der Hochbau von topografischen und klimatischen Bedingungen geprägt. Steile Hänge, enge Täler, grosse Höhenunterschiede sowie Naturgefahren wie Lawinen, Hochwasser, Murgänge oder Steinschlag verlangen nach massgeschneiderten Lösungen. Gleichzeitig müssen Verkehrswege und Werkleitungen das ganze Jahr über zuverlässig funktionieren. Brücken, Tunnel, Strassen und Werkleitungen haben Lebensdauern von häufig 50 bis 100 Jahren. Damit sie diese erreichen, müssen sie regelmässig kontrolliert, unterhalten und bei Bedarf saniert oder ersetzt werden. Entsprechend fliesst ein grosser Teil der Investitionen in den Werterhalt der bestehenden Infrastruktur. Entsprechend steht der Tiefbau vor grossen Herausforderungen. Viele Bauwerke stammen aus den 1960er-und 1970er-Jahren und erreichen in den kommenden Jahrzehnten das Ende ihrer technischen Lebensdauer. Hinzu kommen die Folgen des Klimawandels sowie steigende Anforderungen an Sicherheit, Mobilität und Versorgung. Der Investitionsbedarf steigt, etwa für neue Schutzbauten, den Ausbau der Wasserinfrastruktur, Flussrevitalisierungen sowie Produktionsanlagen für erneuerbare Energien mit dem entsprechenden Netzausbau.
Der technologische Wandel verändert den Tiefbau zunehmend, bspw. digitale Vermessungsmethoden, Drohnentechnologien, BIM, Überwachungssensoren und Kreislaufwirtschaft.

