Zwischen Werkbank und Verantwortung
22.07.2026
Ein eigenes Unternehmen aufzubauen, verlangt Zeit, Mut und Ausdauer. Für Victor Flepp aus Disentis war jedoch früh klar, dass Unternehmertum mehr bedeutet als wirtschaftlicher Erfolg. Seit Jahrzehnten engagiert sich der Inhaber der Scrinaria Flepp SA nicht nur für seinen Betrieb, sondern auch für Politik, Gewerbe und gesellschaftliche Anliegen in der Region.
Als Victor Flepp vor über 30 Jahren die Schreinerei in Disentis übernahm, begann alles in überschaubaren Verhältnissen. Der Betrieb, in dem er zuvor als Angestellter gearbeitet hatte, wurde zu seinem eigenen Betrieb. Er startete alleine und entwickelte die Firma Schritt für Schritt weiter. Heute hat die Scrinaria Flepp SA zwölf Angestellte und vier Lernende. Sie zählt zu den etablierten Unternehmen der Region. Der Weg dorthin war geprägt von kontinuierlichem Wachstum. Mit den Jahren kamen Mitarbeitende und Lernende hinzu, neue Maschinen wurden angeschafft und die Anforderungen veränderten sich. Einen wichtigen Meilenstein stellte der Bezug der neuen Produktionshalle in der Gewerbezone Disentis in den Jahren 2012 und 2013 dar. Die neuen Räumlichkeiten schufen die Voraussetzungen für Wachstum.Doch Flepp verband seine unternehmerische Tätigkeit von Anfang an mit einem breiteren Anspruch. Wirtschaftlicher Erfolg stand für ihn nie allein im Mittelpunkt. «Bei der Übernahme einer Schreinerei vor gut drei Jahrzehnten war mir bewusst, dass dies einen grossen Zeitaufwand bedeutet», sagt er. «Und trotzdem war mir wichtig, neben dem Wunsch, einen Betrieb erfolgreich zu führen, auch etwas für die zukünftige Entwicklung der Gemeinde und Region beizutragen.»
Regionale Verantwortung
Schon früh engagierte sich Flepp politisch und wurde ins Gemeindeparlament von Disentis gewählt. Während mehr als zwei Jahrzehnten setzte er sich dort für lokale Anliegen ein. Zehn Jahre lang präsidierte er zudem den Handels- und Gewerbeverein Disentis. Sein Ziel war es, die Anliegen der Unternehmen in politische Diskussionen einzubringen und den Austausch zwischen Wirtschaft und Gesellschaft zu fördern. «Für die kommunale und regionale Wirtschaft ist es wichtig, dass die Rahmenbedingungen für Unternehmen gut ausgerichtet sind», sagt er. «Das Gewerbe ist ein wichtiges Element für das Wohlergehen einer Gemeinde.» Zu den Entwicklungen, die während seines Engagements vorangetrieben wurden, zählt die Schaffung einer neuen Gewerbezone. Sie eröffnete bestehenden und neuen Unternehmen zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten. Für Flepp sind solche Projekte entscheidend, damit Bergregionen attraktiv bleiben. Gleichzeitig veränderte dieses Engagement auch seinen eigenen Blick auf die Rolle als Unternehmer. «Als Unternehmer bewegt man sich vielfach gerne nur im eigenen Kreis», sagt Flepp. «Durch Aktivitäten in lokaler Politik und Vereinen gewinnt man ein grosses Netzwerk.»
Langfristige Perspektiven
Neben Politik und Wirtschaft engagiert sich Flepp seit vielen Jahren auch in Vereinen und Organisationen. Er präsidiert die Schneesportschule Disentis, steht an der Spitze der lokalen Jägersektion und engagiert sich im Vorstand des Vereins Pro Lucmagn. Rund die Hälfte seiner Freizeit investiert er nach eigenen Angaben in solche Aufgaben. Für ihn ist dies der Ausdruck von gesellschaftlicher Verantwortung. «Die Gespräche zwischen Unternehmern und anderen Gesellschaftskreisen sind wichtig und fördern das Leben und die Aktivitäten in einer Gemeinde», sagt er. Diese Haltung prägt auch seine Rolle als Arbeitgeber. Angesichts von Fachkräftemangel und demografischem Wandel sieht Flepp Unternehmen zunehmend in der Verantwortung, Ausbildungsplätze anzubieten und langfristige Perspektiven in der Region zu schaffen.Für Flepp endet Unternehmertum deshalb nicht am Werkstatttor. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und die eigene Region aktiv mitzugestalten. «Als Unternehmer versuche ich ein Vorbild zu sein und aufzuzeigen, dass man in unseren Berggemeinden optimale Arbeits- und Lebensbedingungen mitgestalten kann.»

