Handwerk mit Aussicht hat Zukunft
29.10.2026
Arbeiten im Freien, traditionelle Handwerkskunst und moderne Technik. Eine Lehre bei der Meli AG Gebäudehüllen bietet Jugendlichen einen vielseitigen Einstieg in einen zukunftsorientierten Beruf. Das Familienunterneh-men bildet junge Berufsleute aus und zeigt, dass Dachdecken und Abdichten weit mehr bedeuten als die Arbeit auf einem klassischen Dach.
Marco Meli sitzt an seinem Bürotisch im Firmengebäude an der Ringstrasse 14 in Chur. Ruhig bleibt es an diesem Morgen nicht. Immer wieder klingelt das Telefon. Auskünfte, Offertan-fragen, neue Aufträge: Besonders das Interesse an Photovoltaikanlagen ist gross. Für den Geschäftsinhaber zeigt dies, wie stark sich sein Handwerk verändert hat. Das klassische Dach ist geblieben, doch längst gehören auch Flachdächer, Fassaden und Solaranlagen zum Arbeitsalltag. Meli ist gelernter Dachdecker, eidgenössisch diplomierter Betriebswirtschafter und führt das über 120-jährige Familienunternehmen in vierter Generation. Seine Begeisterung für den Beruf ist geblieben. «Dachdecker verbinden traditionelles Handwerk mit moderner Technik. Man sieht die Welt täglich aus einer anderen Perspektive und schafft bleibende Werte.»
Handgriffe müssen sitzen
Diese Erfahrung machen auch die Lernenden. Bei der Meli AG arbeiten sie vom ersten Tag an auf den Baustellen mit. Sie lernen im traditionsreichen Betrieb Maschinen und Werkzeuge kennen und helfen etwa bei Dämm- und Abdichtungsarbeiten. Schritt für Schritt übernehmen sie mehr Verantwortung und lernen, Arbeitsabläufe selbstständig zu planen. Dabei werden sie von erfahrenen Berufsleuten begleitet. Denn auf dem Dach müssen alle Handgriffe sitzen. Sicherheit, Genauigkeit und eine gute Zusammenarbeit im Team sind entscheidend.
Am Abend sehen die Lernenden, was gemeinsam entstanden ist. Genau das macht für Meli den besonderen Reiz des Handwerks aus. Hinzu kommen wechselnde Baustellen und eindrückliche Aussichten auf die Bündner Landschaft. Kein Auftrag ist gleich: Mal wird ein bestehendes Dach saniert, mal entsteht eine neue Gebäudehülle oder eine Photovoltaikanlage wird montiert. Diese Abwechslung macht den Beruf vielseitig. Gleichzeitig erwerben die Lernenden ein breites Fachwissen, das ihnen nach dem Lehrabschluss unterschiedliche berufliche Wege eröffnet. Gefragt sind Fachkräfte, die handwerkliches Können mit technischem Verständnis verbinden und bereit sind, sich laufend weiterzuentwickeln.
Wer sich für eine Ausbildung als Polybauer/in mit Fachrichtung Dachdecken oder Abdichten interessiert, sollte Freude an der Arbeit im Freien, Schwindelfreiheit, Teamfähigkeit und eine exakte Arbeitsweise mitbringen. Schulnoten sind für Meli nur ein Teil des Gesamtbildes. «Handwerkliches Geschick entwickelt sich mit der Erfahrung, die richtige Einstellung muss von einem selbst kommen.»
Vom Steildach bis zur Solaranlage
Der Beruf hat sich stark verändert. Zur modernen Gebäudehülle gehören heute neben Steil- und Flachdächern auch immer öfter Fassaden und Solaranlagen. Damit verbunden sind Themen wie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Gut gedämmte und fachgerecht abgedichtete Gebäude verbrauchen weniger Energie. Gleichzeitig wird das Dach immer häufiger zum Standort für die eigene Stromproduktion. Dadurch übernehmen Fachleute für Gebäudehüllen eine wichtige Rolle beim nachhaltigen Bauen. «Das Handwerk muss zeigen, wie modern, vielseitig und zukunftsorientiert es heute ist», sagt Meli, der als Verbandspräsident Gebäudehülle Schweiz, Sektion Graubünden, seine Branche und deren Aufgaben so gut wie kaum ein anderer in unserem Kanton kennt.

