Rolle der Lehrpersonen in der Berufswahl

Bei der Berufswahl spielen die Lehrpersonen eine wichtige Rolle. Sie sind Dreh- und Angelpunkt für Lernende, Eltern, Lehrbetriebe und für die Berufsberatung. Andreas Spinas, Vorstandsmitglied von «Bildung Graubünden» und Präsident der Fraktion Sek 1, erklärt, warum die Berufswahl strukturierter als früher ist, welche Rolle die Lehrkräfte spielen und weshalb er die duale Ausbildung schätzt.

Die Berufsbildung ist ein zentraler Pfeiler des Bildungssystems – denn 75 Prozent der Lernenden an den Oberstufen in Graubünden starten ihre berufliche Karriere mit einer Berufslehre. Daran lässt das Vorstandsmitglied von «Bildung Graubünden» und Präsident der Fraktion Sek 1, keinen Zweifel. «Die duale Berufsbildung verbindet Theorie und Praxis auf einmalige Weise und bietet Jugendlichen praxisnahe Zukunftsaussichten und eine solide Basis für lebenslanges Lernen», sagt er. Der Stellenwert der Berufslehre sei nicht nur gesellschaftlich hoch, sondern auch politisch klar definiert. Das Schulgesetz setze für die Oberstufe mit der Vorbereitung auf eine Berufslehre ein klares Ziel. Ergänzend dazu soll die Sekundarschule auf weiterführende Schulen vorbereiten. In Graubünden, wo die Wirtschaft auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen ist, geniesst die Berufsbildung nach Ansicht von Spinas auch bei den Lehrpersonen grosse Wertschätzung.

Künstliche Intelligenz als Zukunftskompetenz
In der Berufslehre wird die KI zunehmend an Bedeutung gewinnen. Viele Berufe nutzen bereits heute intelligente Systeme zur Unterstützung von Arbeitsprozessen. Wer früh lernt, mit solchen Werkzeugen umzugehen, verschafft sich Vorteile für die berufliche Zukunft. Neben der Berufswahl wird auch der Umgang mit künstlicher Intelligenz (KI) die Schule und die Berufsbildung in den kommenden Jahren stark prägen. Für Andreas Spinas ist klar, dass KI weder in der Schule noch in der Lehre ignoriert werden kann. «Künstliche Intelligenz wird die Arbeitswelt ähnlich grundlegend verändern wie einst die Digitalisierung. Deshalb müssen junge Menschen lernen, diese Technologien sinnvoll, kritisch und verantwortungsvoll zu nutzen», sagt er.

KI als Lernhilfe einsetzen
Die Lehrerinnen und Lehrer haben die neue Aufgabe, Schülerinnen und Schüler auf diese Entwicklung vorzubereiten. Dabei gehe es nicht nur um technische Kenntnisse, sondern auch um Medienkompetenz, Datenschutz und die Fähigkeit, Informationen kritisch zu hinterfragen. KI könne als Lernhilfe eingesetzt werden, dürfe aber das eigenständige Denken nicht ersetzen. «Die Jugendlichen müssen verstehen, wie KI funktioniert, wo ihre Chancen liegen und wo ihre Grenzen sind.»

Menschliche Fähigkeiten sind unverzichtbar
Gleichzeitig bleiben menschliche Fähigkeiten wie Kreativität, Teamarbeit, Verantwortungsbewusstsein und soziale Kompetenzen unverzichtbar. «Die Zukunft gehört nicht der künstlichen Intelligenz allein, sondern den Menschen, die sie kompetent und verantwortungsvoll einsetzen können», ist Spinas überzeugt.

Gesteigerte Attraktivität
Ein Blick zurück in die analoge Zeit zeigt, wie sehr sich die Situation zu heute verändert hat. «Als ich Ende der 80er-Jahre selbst aus der Sek kam, haben wir uns im Schulunterricht kaum mit der Berufswahl beschäftigt. Trotzdem fanden alle eine Lehrstelle», erinnert sich Spinas. Heute sei der Berufswahlprozess vielfältiger, strukturierter und professioneller. Der Lehrplan 21 habe mit dem Fach «Berufliche Orientierung» der Berufswahl einen festen Platz im Stundenplan gegeben. Dazu kommen erweiterte Anschlussmöglichkeiten nach einer Berufslehre wie die Berufsmaturität oder ein Studium an einer Fachhochschule, die die Attraktivität zusätzlich gesteigert haben.

Ermutigung zu Schnupperlehren
Die Vorteile der Lehre liegen für Spinas auf der Hand. Sie ermöglicht den direkten Einstieg in die Arbeitswelt, vermittelt neben Fachwissen auch Sozial- und Selbstkompetenzen und sorgt dafür, dass Jugendliche früh Berufserfahrung sammeln. «Diese duale Ausbildung eröffnet zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten und ist ein hervorragender Startpunkt für unterschiedliche Karrierewege», betont er. Eine zentrale Rolle spielen die Lehrerinnen und Lehrer, die die Jugendlichen im Berufswahlprozess begleiten. Entscheidend seien eine ehrliche Beratung, die Ermutigung zu Schnupperlehren sowie die Zusammenarbeit mit Eltern, der Berufsberatungen und lokalen Betrieben. «Die wichtigste Aufgabe bleibt, die Jugendlichen als Persönlichkeiten zu stärken und ihnen Vertrauen in ihre Fähigkeiten zu geben.»

 

zurück zur Übersicht