Abwechslungsreich, menschlich und jeden Tag anders
21.09.2026
Der Beruf Medizinische Praxisassistentin EFZ ist vielseitig, anspruchsvoll und nah am Menschen. Demi Knecht, leitende MPA, Praxisleiterin und Berufsbildnerin in der Praxis Dr. med. Kathleen Keilwerth in Untervaz, spricht über den Berufsalltag, die Ausbildung junger Menschen und die vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten nach der Lehre.
Demi Knecht, Sie sind leitende MPA, Praxisleiterin und Berufsbildnerin. Was gefällt Ihnen persönlich an Ihrem Beruf besonders?
Mir gefällt besonders, die Entwicklung der Lernenden mitzuerleben. Ihre Fortschritte zu sehen und die Erfolge mit ihnen zu feiern, macht mir einfach Freude. Ich freue mich oft fast genauso wie sie selbst – ihre Erfolge sind für mich ein bisschen wie meine eigenen.
Wie würden Sie den Beruf Medizinische Praxisassistentin EFZ einer Jugendlichen oder einem Jugendlichen beschreiben, der diesen Beruf noch kaum kennt?
Ich würde den Beruf als sehr vielseitig und abwechslungsreich beschreiben. Eine MPA ist die rechte Hand des Arztes – sie unterstützt ihn bei Untersuchungen und Behandlungen, betreut die Patientinnen und Patienten und sorgt dafür, dass der Praxisalltag reibungslos läuft. Man trägt viel Verantwortung und hat gleichzeitig sehr viel Kontakt mit Menschen.
Welche Aufgaben übernehmen Lernende bei Ihnen in der Praxis? Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?
Einen klassischen Arbeitstag gibt es bei uns eigentlich nicht – jeder Tag ist anders und oft nicht wirklich planbar. Genau das macht den Beruf aber auch spannend. Die Lernenden haben eine fixe Morgenroutine: Sie starten die Computer, das Röntgen- und die Laborgeräte, leeren den Briefkasten und bereiten die Kaffeemaschine vor. Danach richtet sich der Tag nach den anstehenden Patientinnen und Patienten und den Aufgaben in der Praxis. Je nach Lehrjahr übernehmen die Lernenden dabei immer mehr Verantwortung. Im 1. Lehrjahr beobachten sie zunächst viel und übernehmen klar angeleitete Aufgaben. Im 2. Lehrjahr arbeiten sie zunehmend selbstständig und im 3. Lehrjahr können sie bereits viele Aufgaben eigenständig übernehmen. Am Abend gibt es ebenfalls eine feste Routine: Die Computer und die restlichen Geräte werden heruntergefahren, die Räumlichkeiten werden kontrolliert, ob alles sauber ist, und die Kaffeemaschine wird aufgeräumt. Ich finde es wichtig, dass die Lernenden solche Abläufe von Anfang an kennenlernen und mit der Zeit immer selbstständiger werden.
Ihre Praxis deckt ein breites medizinisches Angebot ab. Welche Bereiche lernen die angehenden MPA während ihrer Ausbildung besonders intensiv kennen?
Bei uns lernen die Lernenden vor allem die Allgemeine Innere Medizin und die klassische Dorfmedizin kennen. Wir haben Patientinnen und Patienten aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen – zum Beispiel den Bauern, der sich verletzt hat, aber trotzdem schnell wieder auf den Hof muss und nicht lange warten oder gar ins Spital kann. Dadurch lernen die Lernenden nicht nur die medizinischen Abläufe, sondern auch, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen einzugehen. Sie lernen Geduld, Flexibilität und dass in einer Praxis nicht immer alles nach Plan läuft.
Was müssen Jugendliche mitbringen, die sich für eine Lehrstelle als MPA interessieren? Welche schulischen und persönlichen Voraussetzungen sind wichtig?
Ich finde, man sollte vor allem Freude am Umgang mit Menschen mitbringen und gerne im Team arbeiten. Wichtig sind auch Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein und ein gewisses Organisationstalent, da im Praxisalltag vieles gleichzeitig läuft. Schulisch sind gute Leistungen, besonders in Deutsch, Biologie sowie Mathematik, von Vorteil. Aus meiner Sicht muss aber nicht alles von Anfang an perfekt sein. Viel wichtiger ist die Motivation, Neues zu lernen, Fragen zu stellen und sich weiterzuentwickeln. Gerade als Lernende darf man auch Fehler machen – entscheidend ist, dass man daraus lernt.
Wie wichtig ist der Umgang mit Menschen in diesem Beruf? Was müssen Lernende im Kontakt mit Patientinnen und Patienten lernen?
Der Umgang mit Menschen ist in diesem Beruf sehr wichtig, eigentlich eine der wichtigsten Voraussetzungen. Lernende müssen lernen, auf ganz unterschiedliche Menschen und Situationen einzugehen. Manche Patientinnen und Patienten sind geduldig, andere haben es eilig, sind verunsichert oder vielleicht auch einmal unfreundlich. Gerade in der Dorfmedizin erlebt man viele verschiedene Charaktere. Die Lernenden lernen bei uns, freundlich und respektvoll zu bleiben, gut zuzuhören und trotzdem professionell zu handeln. Sie lernen auch Geduld, Einfühlungsvermögen und dass man nicht jede Reaktion persönlich nehmen darf. Der Patient soll sich bei uns ernst genommen und gut aufgehoben fühlen.
Eine Arztpraxis kann hektisch werden – das Telefon klingelt, Patientinnen und Patienten warten und vielleicht kommt gleichzeitig ein Notfall herein. Wie lernen junge Berufsleute, mit solchen Situationen umzugehen?
Das lernen sie vor allem durch «Learning by Doing». Gerade im Praxisalltag kann man solche Situationen nicht immer planen oder im Voraus üben. Die Lernenden erleben mit der Zeit, wie man auch in hektischen Momenten ruhig bleibt, Prioritäten setzt und den Überblick behält. Am Anfang unterstützen wir sie dabei und zeigen ihnen, was in welcher Situation wichtig ist. Mit zunehmender Erfahrung lernen sie, selbstständig zu entscheiden und auch unter Stress konzentriert und freundlich zu bleiben. Wichtig ist für uns, dass sie wissen: Hektik gehört zum Beruf dazu, aber man darf trotzdem ruhig und respektvoll miteinander umgehen.
Wie begleiten Sie als Berufsbildnerin die Lernenden? Was ist Ihnen bei der Ausbildung besonders wichtig?
Mir ist besonders wichtig, dass die Lernenden wissen, dass sie jederzeit zu mir kommen können – egal, ob es um etwas in der Praxis, in der Schule oder um ein persönliches Problem geht. Ich möchte, dass sie sich bei mir ernst genommen und unterstützt fühlen und keine Angst haben, Fragen zu stellen oder Fehler anzusprechen. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass sie Schritt für Schritt selbstständiger werden und Verantwortung übernehmen. Ich begleite sie, gebe ihnen Sicherheit, lasse ihnen aber auch den nötigen Raum, um eigene Erfahrungen zu sammeln und aus Fehlern zu lernen.
Was sind erfahrungsgemäss die grössten Herausforderungen für junge Menschen zu Beginn der MPA-Ausbildung?
Ich denke, eine der grössten Herausforderungen ist die Umstellung von der Schule in den Berufsalltag. Plötzlich ist man den ganzen Tag auf den Beinen, hat viele verschiedene Aufgaben und trägt Verantwortung. Auch der Kontakt mit den Patientinnen und Patienten kann anfangs herausfordernd sein, weil man nie genau weiss, wie jemand reagiert oder welche Situation einen erwartet. Dazu kommt, dass gerade in der MPA-Ausbildung sehr viel gelernt werden muss und man auch mit schwierigen oder belastenden Situationen konfrontiert wird. Mit der Zeit lernen die Jugendlichen aber, damit umzugehen, und gewinnen immer mehr Sicherheit und Selbstvertrauen.
Was überrascht Lernende am Beruf am meisten, wenn sie erstmals den Praxisalltag erleben?
Ich glaube, viele Lernende sind überrascht, wie abwechslungsreich und gleichzeitig anspruchsvoll der Praxisalltag ist. Sie merken schnell, dass man als MPA nicht einfach nur am Empfang sitzt, sondern sehr viele verschiedene Aufgaben übernimmt und oft mehrere Dinge gleichzeitig passieren. Auch der Umgang mit den Patientinnen und Patienten kann sie überraschen. Jeder Mensch ist anders und manchmal kommt eine Situation ganz anders, als man sie erwartet hat. Dazu gehört auch, dass man Verantwortung übernimmt und trotzdem immer freundlich und professionell bleiben muss.
Wie hat sich der Beruf der MPA in den vergangenen Jahren verändert – beispielsweise durch Digitalisierung, neue Technologien oder zusätzliche medizinische Aufgaben?
Der Beruf hat sich in den letzten Jahren stark verändert, vor allem durch die Digitalisierung. Früher gab es noch viele Papier-Krankengeschichten, heute läuft fast alles digital. Auch Berichte werden teilweise direkt vom Arzt erstellt oder durch Programme unterstützt. Eine kleine Herausforderung ist sicherlich, dass die Patientinnen und Patienten heute sehr schnell im Internet nach einer Diagnose suchen, noch bevor der Arzt eine stellen kann. Da ist manchmal etwas Fingerspitzengefühl gefragt. Für die Lernenden ist es deshalb wichtig, zu lernen, mit solchen Situationen professionell umzugehen und gleichzeitig den persönlichen Kontakt zu den Patientinnen und Patienten nicht zu verlieren.
Welche Rolle spielen moderne Geräte und Technik in der Ausbildung – etwa Labor, EKG oder digitales Röntgen?
Moderne Geräte spielen in der Ausbildung eine wichtige Rolle, da die Technik immer besser und einfacher in der Anwendung wird. Besonders beim Röntgen hat sich viel verändert. Unsere Geräte sind mittlerweile so modern, dass bei den Untersuchungen unter den gegebenen Bedingungen teilweise sogar auf die klassische Röntgenschürze verzichtet werden kann. Auch beim EKG hat sich einiges getan. Die Geräte sind heute viel leistungsfähiger und weniger störanfällig. Dadurch müssen die Lernenden weniger auf kleine Störfaktoren achten und können sich stärker auf die korrekte Durchführung und die Patientinnen und Patienten konzentrieren. Für die Lernenden ist es spannend, mit dieser modernen Technik zu arbeiten und gleichzeitig zu lernen, dass die Technik zwar unterstützt, aber das medizinische Wissen und die sorgfältige Arbeit weiterhin entscheidend sind.
Sie selbst absolvieren aktuell die Weiterbildung zur Medizinischen Praxiskoordinatorin (MPK). Welche Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten bietet der MPA-Beruf nach dem EFZ?
Der MPA-Beruf bietet nach dem EFZ viele Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Ich absolviere aktuell selbst die Weiterbildung zur Medizinischen Praxiskoordinatorin (MPK) in der leitenden Richtung und merke dabei, wie viel zusätzliches Wissen und neue Perspektiven man gewinnen kann. Je nach Interesse kann man sich in verschiedenen medizinischen Bereichen weiterbilden, mehr Verantwortung in der Praxis übernehmen oder sich Richtung Praxisorganisation und Führung entwickeln. Auch Weiterbildungen im Bereich der Berufsbildung sind möglich. Und natürlich gibt es noch viele weitere Wege, je nachdem, wo die eigenen Interessen und Stärken liegen. Ich finde es schön, dass die Ausbildung zur MPA viele Türen öffnet und man sich auch nach dem EFZ immer weiterentwickeln kann.
Wie wichtig sind Schnupperlehren, wenn sich Jugendliche für den Beruf interessieren? Worauf achten Sie bei einer Schnupperlernenden oder einem Schnupperlernenden?
Eine Schnupperlehre finde ich sehr wichtig, weil Jugendliche dabei einen echten Einblick in den MPA-Beruf bekommen. Erst im Praxisalltag merkt man, ob einem der Beruf wirklich gefällt und ob man sich in diesem Umfeld wohlfühlt. Natürlich gehört auch dazu, dass man sieht, wie man mit Blut, Wunden oder anderen Körperflüssigkeiten umgeht. Das ist im MPA-Beruf ganz normal und nicht für alle selbstverständlich. Beim Schnuppern können die Jugendlichen herausfinden, ob sie damit gut umgehen können. Bei Schnupperlernenden achte ich vor allem auf Interesse, Offenheit und Motivation. Sie müssen noch nichts können – wichtig ist mir, dass sie Fragen stellen, aufmerksam sind und Freude daran haben, Neues zu lernen.
Was macht für Sie eine gute Lernende oder einen guten Lernenden aus?
Für mich macht eine gute Lernende oder einen guten Lernenden vor allem die Einstellung aus. Sie sollten neugierig sein, Fragen stellen und bereit sein, Neues zu lernen. Mir ist auch wichtig, dass sie zuverlässig sind, Verantwortung übernehmen und sich ins Team einbringen. Niemand muss von Anfang an alles können. Fehler gehören zur Ausbildung dazu. Entscheidend ist für mich, dass man daraus lernt, offen mit ihnen umgeht und sich Schritt für Schritt weiterentwickelt. Wenn ich merke, dass eine Lernende oder ein Lernender Freude am Beruf hat und sich wirklich bemüht, ist das für mich das Wichtigste.
Gibt es ein Erlebnis mit einer Lernenden oder einem Lernenden, bei dem Sie besonders gemerkt haben: Genau deshalb bilde ich junge Menschen aus?
Ja, ein Erlebnis ist mir besonders geblieben. Eine Lernende wechselte während ihrer Ausbildung von einer anderen Praxis zu uns. Bei uns konnte ich miterleben, wie ihre Angst vor Noten und Fehlern immer mehr verschwand und dafür die Freude am Beruf zurückkam. Zu sehen, wie sie wieder Vertrauen in sich selbst gewonnen hat und ihre Entwicklung mitzuerleben, hat mir gezeigt, wie viel ein gutes Umfeld und eine persönliche Begleitung ausmachen können. Genau solche Momente sind für mich der Grund, warum ich junge Menschen so gerne ausbilde.
Warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht für eine Arztpraxis, Lernende auszubilden – trotz des zusätzlichen zeitlichen Aufwands?
Für mich lohnt es sich auf jeden Fall. Natürlich braucht die Ausbildung Zeit und Geduld, gerade am Anfang. Aber man bekommt auch sehr viel zurück. Lernende bringen neue Ideen, Fragen und frischen Wind in die Praxis. Ausserdem ist es schön zu sehen, wie sie sich entwickeln und mit der Zeit immer selbstständiger werden. Wenn man eine Lernende oder einen Lernenden über drei Jahre begleitet, investiert man nicht nur in die Ausbildung, sondern auch in die Zukunft unseres Berufs. Und vielleicht bleibt uns eine gute Lernende oder ein guter Lernender nach der Ausbildung sogar als Fachkraft erhalten.
Wenn Sie einer Schülerin oder einem Schüler, die oder der über eine MPA-Lehre nachdenkt, einen einzigen Rat geben könnten: Welcher wäre das?
Ganz klar: Geh schnuppern! Man kann sich den Beruf noch so gut vorstellen – erst beim Schnuppern merkt man, ob man sich im Praxisalltag wirklich wohlfühlt. Trau dich, Fragen zu stellen, schau genau hin und probiere so viel wie möglich aus. Und wenn du nach dem Schnuppern nach Hause gehst und denkst: «Das könnte ich mir jeden Tag vorstellen» – dann ist das ein gutes Zeichen!
Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie selbst nochmals am Anfang Ihrer beruflichen Laufbahn stehen würden?
Ich würde wahrscheinlich noch mehr ausprobieren und mir mehr zutrauen. Gerade am Anfang denkt man manchmal, man müsse schon alles können oder dürfe keine Fehler machen. Heute weiss ich, dass genau diese Erfahrungen wichtig sind. Ich würde deshalb den Weg wieder genauso wählen, aber mir selbst früher mehr Vertrauen schenken und die vielen Möglichkeiten zur Weiterbildung und persönlichen Entwicklung noch bewusster nutzen.
Vervollständigen Sie bitte den Satz: «Der Beruf MPA ist für mich …»
Der Beruf MPA ist für mich … abwechslungsreich, menschlich und jeden Tag anders. Ich liebe es, Menschen zu helfen, und genau das macht den Beruf für mich so erfüllend. Man lernt nie aus, trägt Verantwortung und darf Menschen begleiten – diese Kombination macht den Beruf für mich so besonders.

