Alpines Bauen: Arbeitsalltag zwischen Bergen und Grenzen

Fabio Costa

Kurze Bausaisons, anspruchsvolle Vorschriften und knapper Wohnraum prägen den Baualltag im Oberengadin. Fabio Costa, Geschäftsführer und Inhaber der Costa AG in Pontresina, kennt diese Herausforderungen seit seiner Kindheit. Für ihn ist alpines Bauen weit mehr als ein Beruf – es ist eine Frage von Erfahrung, Präzision und regionaler Verwurzelung.

Wer im Oberengadin baut, arbeitet unter besonderen Bedingungen. Während im Unterland oft fast das ganze Jahr gebaut werden kann, bleibt im Engadin nur ein kurzes Zeitfenster. «Die Natur gibt den Takt vor. Spätfrost, Schneefall oder Gewitter gehören bei uns zur Planung einfach dazu», sagt Fabio Costa. Die Costa AG ist seit Generationen in Pontresina verankert und realisiert Hoch- und Tiefbauprojekte im gesamten Oberengadin. Das Unternehmen weiss, dass im Berggebiet nicht allein das handwerkliche Können entscheidet. Ebenso wichtig sind Erfahrung, Flexibilität und eine realistische Terminplanung.


Tourismus bestimmt Baukalender
Ein grosser Teil der Aufträge stammt aus dem Tourismus. Hotels werden renoviert, anspruchsvolle Wohnhäuser modernisiert oder Gewerbebauten erstellt. Gleichzeitig bringt die touristische Bedeutung der Region zahlreiche Einschränkungen mit sich. Während der Hochsaison sind lärmige Arbeiten vielerorts nur eingeschränkt möglich. Bauprogramme müssen deshalb exakt auf die Nebensaison abgestimmt werden. «Wer den Terminplan nicht einhält, verliert im schlimmsten Fall eine ganze Bausaison», erklärt Costa. Verzögerungen bedeuten häufig, dass ein Projekt über den Winter stillsteht – mit entsprechenden Folgen für Kosten und Organisation.
Hinzu kommen die unterschiedlichen Bauvorschriften der einzelnen Gemeinden. Was in St. Moritz gilt, muss in Pontresina neu geprüft werden. In St. Moritz beispielsweise müssen Kräne im Winter abgebaut werden – mit entsprechenden Kosten. In Pontresina gilt im Juli und August die Aushubsperre. Auch das Zweitwohnungsgesetz hat den Markt nachhaltig verändert. Neubauten von Ferienwohnungen sind kaum mehr möglich. Stattdessen bestimmen heute anspruchsvolle Umbauten, Sanierungen und Ersatzneubauten den Arbeitsalltag.


Fachkräfte brauchen ein Zuhause
Eine weitere Herausforderung beschäftigt Costa seit Jahren: der Wohnungsmarkt. Bezahlbarer Wohnraum ist im Oberengadin knapp. «Wir finden gute Mitarbeitende. Schwieriger ist oft die Frage, wo sie wohnen können», sagt er. Obwohl man eigene Unterkünfte und eine Kantine habe (Zimmer, Studios und einige Wohnungen), würden viele Mitarbeitende lieber pendeln. Darum sind die zahlreichen Grenzgänger aus dem benachbarten Veltlin unverzichtbar. Tag für Tag überqueren sie den Bernina- oder Malojapass und leisten einen wichtigen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens. Ohne sie wäre der Fachkräftemangel im Oberengadin noch deutlich grösser.


Baustellen ohne Zufahrt
Wie komplex alpines Bauen sein kann, zeigte die Sanierung der Wildbachverbauungen in der Val Zuondra oberhalb von Celerina. Das steile Gelände war mit schweren Maschinen nicht erreichbar. Sämtliches Material sowie die Spezialgeräte wurden mit dem Helikopter eingeflogen. Zum Einsatz kamen eine mobile Bohrlafette für Helikoptertransporte und ein Schreitbagger, der sich im unwegsamen Gelände sicher bewegen kann. Gleichzeitig musste das Team täglich auf Wetterumschwünge reagieren. «Solche Projekte funktionieren nur mit einer minutiösen Planung und einem eingespielten Team», sagt Costa.
Für ihn ist genau das die besondere Stärke des Bauens im Hochgebirge. «Wir bauen nicht gegen die Natur, sondern mit ihr. Wer die alpinen Bedingungen versteht, findet Lösungen, die technisch überzeugen und gleichzeitig Rücksicht auf Landschaft und Umwelt nehmen.» Gerade diese Kombination aus Erfahrung, regionalem Wissen und handwerklicher Qualität macht für Costa den Unterschied – und bildet seit Generationen das Fundament der Costa AG.

Fabio Costa

Fabio Costa ist Geschäftsführer und Inhaber der Costa AG Hoch- und Tiefbau in Pontresina. Der Bauingenieur gehört der vierten Generation der traditionsreichen Unternehmerfamilie Costa an. Die Costa AG hat 130 Mitarbeitende und jeweils drei oder vier Lehrlinge. Damit zählt sie zu den etablierten Bauunternehmen im Oberengadin. Sie ist im Hoch- und Tiefbau sowie als Generalunternehmung tätig.


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