«Damit das Handwerk weiterlebt»
21.09.2026
Georges Federspiel ist seit der ersten Fiutscher mit dabei. Im Interview blickt er als Aussteller und Ausbildner für Agrotec auf die Entwicklung der Bündner Berufsausstellung zurück und erklärt, warum ihm die Begeisterung junger Menschen für das Handwerk besonders am Herzen liegt.
Georges Federspiel, Sie waren bei jeder bisherigen Fiutscher in Chur mit dabei. Erinnern Sie sich noch an die erste Austragung? Was ist Ihnen davon besonders geblieben?
Das ist schon lange her. Die ganze Ausstellung war damals eher klein und fand nur in der Stadthalle statt. Bei der ersten Austragung waren noch die Hufschmiede mit dabei. Am Mittwochnachmittag und Samstagnachmittag haben sie draussen – wegen des Geruchs – Pferde beschlagen. Da war unser Stand jeweils gut besucht. Mit dabei waren auch ein Amboss und eine kleine Form eines Herzens. Die Jugendlichen konnten ein kleines Rundeisen erwärmen, in die Form legen und zu einem Herz klopfen. Da fiel mir auf: Wenn etwas läuft, kommen viele an den Stand. Was mir ebenfalls geblieben ist: An der ganzen Ausstellung gab es nur ein Menü.
Mit welchen Erwartungen sind Sie damals an die erste Fiutscher gegangen – und wurden diese Erwartungen erfüllt?
Die Erwartung war, vielen Schülerinnen und Schülern unsere drei Berufe Landmaschinen-, Baumaschinen- und Motorgerätemechaniker aufzuzeigen und zu präsentieren sowie viele Jugendliche an unseren Stand von Agrotec Südost zu locken.
Wenn Sie die erste Fiutscher mit der heutigen Berufsausstellung vergleichen: Was hat sich aus Ihrer Sicht am stärksten verändert?
Sicher einmal die Grösse der Ausstellung und die Anzahl der Berufe, die heute gezeigt werden, gegenüber den ersten Veranstaltungen der Fiutscher. Am Anfang war nur die Stadthalle einigermassen gut gefüllt.
Gibt es einen Moment oder eine Begegnung aus all den Jahren Fiutscher, an die Sie sich noch heute besonders gerne erinnern?
Jürg Michel und Monika Lose sind mir in guter Erinnerung. Sie sind jeden Tag am Stand vorbeigekommen, um einen kurzen Schwatz zu halten. Dann auch die vielen Fragen und Gespräche mit den Jugendlichen unter der Woche sowie mit Eltern, die am Wochenende nochmals mit den interessierten Jugendlichen vorbeigekommen sind und weitere Informationen eingeholt haben.
Sie erleben an der Fiutscher jeweils sehr viele Jugendliche. Haben sich deren Fragen, Interessen und Erwartungen an die Berufswelt im Laufe der Jahre verändert?
Ja, die Jugendlichen werden heute in der Schule besser auf die Fiutscher vorbereitet als früher. Die Oberstufenlehrer geben sich grosse Mühe. Heute erscheinen die Jugendlichen mit Fragebogen. Was ich nicht immer gerne höre, ist die Frage: Was verdient man in diesen Berufen?
Was macht für Sie persönlich den besonderen Reiz der Fiutscher aus? Warum engagieren Sie sich seit so vielen Jahren dafür?
Einmal etwas Besonderes für unser Handwerk zu tun, bereitet mir grosse Freude. Ich bin der Typ des Handwerkers und habe deshalb die Lehre als Landmaschinenmechaniker absolviert. Ich möchte gerne, dass das Handwerk weiterlebt und nicht ausstirbt. Das möchten wir an der Fiutscher aufzeigen.
Landmaschinenmechaniker und andere technische Berufe lassen sich an einer Berufsausstellung sehr anschaulich präsentieren. Was begeistert Jugendliche an diesen Berufen besonders?
Ich denke, durch die Berufsausstellung merken die Jugendlichen auch, dass nicht nur mit dem grossen Gabelschlüssel und Hammer gearbeitet wird, sondern dass viel Feinfühligkeit gefragt ist. Heute steckt viel Technik und Elektronik in den neuen Landmaschinen, Baumaschinen und Motorgeräten.
Wie wichtig ist es, dass Jugendliche an der Fiutscher nicht nur Informationen erhalten, sondern Berufe selbst erleben und etwas ausprobieren können?
Sehr wichtig. Die Jugendlichen sollen sich nicht nur an der Berufsausstellung Informationen einholen. Sie sollen die Berufe kennenlernen und unbedingt eine Schnupperlehre absolvieren. So lernen sie auch den Betrieb und das Umfeld kennen.
Gab es im Laufe der Jahre auch Dinge an der Fiutscher, die aus Ihrer Sicht weniger gut funktioniert haben oder bei denen Verbesserungen notwendig waren?
Sicher hat es solche Dinge immer wieder gegeben. Man konnte mit den Verantwortlichen reden, und meistens wurde eine Lösung gefunden. Es wurde auch ein Fragebogen verschickt. Dort konnte man solche Dinge aufschreiben. Jeweils nach der Fiutscher wurde zudem eine Informationsveranstaltung durchgeführt. So hatte man auch die Gelegenheit, Verbesserungsvorschläge anzubringen.
Welche Entwicklung der Fiutscher hat Sie persönlich besonders gefreut – und gab es umgekehrt auch Veränderungen, die Sie eher kritisch beurteilen?
Ja, es hat mich gefreut, dass die Entwicklung solche Fortschritte gemacht hat. Die Veränderungen habe ich nie kritisch beurteilt, sondern eher positiv gesehen.
Die Berufswelt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert – gerade auch in technischen Berufen. Wie hat sich dieser Wandel an der Fiutscher bemerkbar gemacht?
In der Berufswelt hat sich vieles verändert. Sie umfasst eine Vielzahl an Tätigkeiten. Das technische Fachwissen und die praktischen Fähigkeiten stehen heute im Vordergrund. Ich denke, alle Aussteller geben sich grosse Mühe, einen perfekten Stand zu präsentieren. Somit hat sich der Wandel auch an der Fiutscher bemerkbar gemacht.
Hat die Fiutscher aus Ihrer Erfahrung tatsächlich Einfluss auf die Berufswahl? Erleben Sie Jugendliche später als Lernende wieder, die ihren Beruf erstmals an der Fiutscher näher kennengelernt haben?
Ja, die Fiutscher hat sicher einen Einfluss auf die Berufswahl. Auch zur zweiten Frage darf ich Ja sagen. Es sind tatsächlich Jugendliche bei uns in den ÜK, die uns am Stand von Agrotec Südost besucht, grosses Interesse gezeigt und später einen wunderbaren Beruf als Landmaschinen-, Baumaschinen- oder Motorgerätemechaniker gewählt haben.
Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit eine Berufsausstellung auch künftig Jugendliche erreicht und begeistert?
Eine sehr gute Werbung auf allen sozialen Medien. Eine gute Vorbereitung durch die Lehrerschaft in der Schule. Und das Gewerbe, das sich an der Berufsausstellung stark präsentiert und die Jugendlichen anspricht.
Wenn Sie für die Fiutscher der Zukunft einen Wunsch frei hätten: Was würden Sie beibehalten, was verändern und was vielleicht ganz neu machen?
Ich bin sehr zufrieden, wie es momentan läuft. Gespannt bin ich, wie es in der neuen Eventhalle abläuft. Darum würde ich vorerst keine Veränderungen anstreben, sondern die erste Berufsausstellung in der neuen Halle abwarten und danach Anpassungen vornehmen, falls Bedarf besteht.
Nach all den Fiutscher-Austragungen: Was bedeutet diese Berufsausstellung heute ganz persönlich für Georges Federspiel?
Für mich bedeutet die Berufsausstellung sehr viel. Ich bin jeweils auch durch die Berufsausstellung gelaufen, habe die Stände anderer Aussteller angeschaut, viele Gespräche geführt und Kontakte geknüpft. Was mir immer grosse Freude bereitet hat, sind die Begegnungen und Besuche der Verantwortlichen an unserem Stand. Sie geben sich grosse Mühe, eine solche Berufsausstellung auf die Beine zu stellen. Dafür möchte ich allen ein grosses Kränzchen winden und einen grossen Dank aussprechen.

