Davos entwickelt sich zum Bündner Innovationsmotor

Davos hat sich zu einem international beachteten Innovationsstandort entwickelt. Eine klare Strategie, starke Partnerschaften und der konsequente Aufbau eines KI-Ecosystems machen die höchstgelegene Stadt Europas heute zu einem Leuchtturm für Forschung, Unternehmertum und digitale Zukunftstechnologien.

Wer an Davos denkt, verbindet den Ort mit dem World Economic Forum, Spitzenmedizin oder Tourismus. Gleichzeitig etablierte sich ein weiterer Wirtschaftszweig, der weit über Graubünden hinaus Beachtung findet. Davos entwickelte sich zu einem führenden Schweizer Standort für Künstliche Intelligenz und digitale Innovation. Was als visionäre Idee begann, ist heute ein vernetztes Ökosystem aus Hochschulen, Forschung, Unternehmen und Startups. Den Grundstein legte die Mindfire Stiftung 2017 mit der Vision, Davos als internationalen Treffpunkt für Forschung und Künstliche Intelligenz zu etablieren. Gemeinsam mit der Regionalentwicklung Davos und der Gemeinde entstand daraus eine langfristige Strategie. Bereits ein Jahr später trafen sich an der ersten Mindfire Mission Forschende und junge Talente in Davos, um an Fragestellungen rund um KI und Neurowissenschaften zu arbeiten. Beschleunigung vor vier Jahren Eine entscheidende Beschleunigung erlebte die Entwicklung ab 2022. Vorangetrieben von der Regionalentwicklung unter Valérie Favre Accola wurden die Aktivitäten mit der ETH Zürich und deren AI Center intensiviert. Mit dem ETH Studio Davos entstand eine Plattform, welche Forschung & Entwicklung mit Bildung verbindet. Gleichzeitig lancierten das ETH AI Center, die Fachhochschule Graubünden, das Schweizerische Institut für Allergie- und Asthmaforschung sowie Mindfire Dialogveranstaltungen in Chur und Davos zu Chancen und Herausforderungen der KI. Eine treibende Persönlichkeit war Valérie Favre Accola. Während ihrer Tätigkeit als Regionalentwicklerin von 2000 bis 2024 stand für sie nicht die Ansiedlung möglichst vieler Unternehmen, sondern der Aufbau eines funktionierenden Innovationsecosystems im Zentrum. «Es genügt nicht, nur Unternehmen anzusiedeln. Es braucht Forschung, Ausbildung, internationale Vernetzung und ein Umfeld, in dem Innovation entstehen kann», sagt sie. Dafür wurden gezielt Partnerschaften und Leistungsvereinbarungen mit verschiedenen Institutionen aufgebaut. Forschung & Entwicklung und öffentliche Hand sollten sich gegenseitig stärken. «Der eigentliche Mehrwert entsteht erst durch die Verbindung der verschiedenen Elemente», erklärt Favre Accola. KI rückt endgültig ins Zentrum Heute umfasst das Netzwerk zahlreiche Akteure. Mit Lab42, AlpineAI und WhiteLens siedelten sich innovative Unternehmen in Davos an. Hinzu kommen das ETH Studio Davos, die AI House Association, Start-ups sowie Kooperationen mit der Fachhochschule Graubünden und ihrem Studiengang Artificial Intelligence. Insgesamt sind elf Forschungsinstitute und Labs in Davos tätig, eines davon mit Schwerpunkt KI. Mit der Lancierung von ChatGPT Ende 2022 rückte KI endgültig ins Zentrum der öffentlichen Diskussion. 2023 wurde das AI House Davos vom ETH AI Center gemeinsam mit dem EPFL AI Center mitinitiiert. Ziel war eine unabhängige Plattform, die wissenschaftliche Erkenntnisse in die gesellschaftliche Debatte einbringt und den Dialog zwischen Forschung, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit fördert. Heute ist das AI House während des World Economic Forum eine feste Institution und ein internationales Schaufenster des Schweizer KI-Ecosystems.

ETH Studio Davos hat Schlüsselrolle
Auch ausserhalb der WEF-Woche gewinnt Davos an Bedeutung. Mit dem Davos Tech Summit, Fachveranstaltungen und internationalen Konferenzen ist der Ort ganzjährig Treffpunkt für Innovation und Wissenstransfer. Ein Meilenstein folgte 2024 mit der internationalen Fachkonferenz 3DV für dreidimensionales Bildverstehen. Unter der Leitung der ETH-Professoren Marc Pollefeys und Konrad Schindler wurde die internationale Sichtbarkeit des Forschungsstandorts weiter gestärkt. Eine Schlüsselrolle übernimmt das ETH Studio Davos. Es verbindet Spitzenforschung mit der Praxis und ermöglicht Projekte im Entwicklungsbereich. Forschende und Studierende entwickeln Lösungen für konkrete Herausforderungen. Über das Ressourcenpool der Wissensstadt Davos erhalten auch Unternehmen Zugang zu wissenschaftlicher Expertise. Ergänzt wird das Angebot durch die Fachhochschule Graubünden, welche KI-Fachkräfte ausbildet und den Wissensstandort stärkt. Zusätzlichen Rückenwind bringt die nationale Swiss AI Initiative. Dank dem Supercomputer Alps steht der Schweizer Forschung eine europaweit einzigartige Recheninfrastruktur zur Verfügung. Über 1000 Forschende aus elf Hochschulen und Forschungsinstitutionen arbeiten an offenen KI-Grundlagen- und neuen Sprachmodellen. Auch die Fachhochschule Graubünden beteiligt sich und trägt zum Aufbau von KI-Kompetenz in Graubünden bei. Gleichzeitig soll die technologische Souveränität der Schweiz gestärkt und KMU der Zugang zu moderner KI-Technologie erleichtert werden.


Arbeitsplätze entstehen
Für Valérie Favre Accola liegt der grösste Erfolg dieser Entwicklung jedoch nicht in internationalen Konferenzen oder renommierten Forschungsprojekten. Entscheidend sei, dass dadurch attraktive Arbeitsplätze entstehen und hochqualifizierte Fachkräfte nach Graubünden zurückkehren können. «Wenn Menschen nach Studium oder Forschungstätigkeiten wieder nach Graubünden heimkehren können, weil hier spannende Perspektiven entstehen, dann ist genau das der Wert eines solchen Ecosystems.» Ein Beispiel dafür ist Hans-Ueli Jud. Der Davoser absolvierte sein Studium an der ETH Zürich und arbeitet heute als AI Engineer bei Lab42 wieder in seiner Heimat. Seine Geschichte steht stellvertretend für eine Entwicklung, von welcher der ganze Kanton profitiert. Graubünden bietet heute auch hochqualifizierten Spezialistinnen und Spezialisten attraktive berufliche Perspektiven. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt eindrücklich, dass Innovation nicht zufällig entsteht. Sie ist das Ergebnis einer klaren Strategie, langfristiger Investitionen und einer engen Zusammenarbeit zwischen Forschung, Wirtschaft und öffentlicher Hand. Davos entwickelte sich damit vom weltbekannten Tourismus- und Kongressort zu einem international anerkannten Innovationsstandort. Von diesem einzigartigen Netzwerk profitieren nicht nur Hochschulen und Unternehmen, sondern der gesamte Wirtschafts- und Lebensraum Graubünden.

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