Ein Leuchtturm mit Bündner Holz
16.09.2026
Das neue Fachhochschulzentrum Graubünden ist weit mehr als ein Hochschulgebäude. Es verbindet nachhaltiges Bauen, moderne Architektur und regionale Wertschöpfung zu einem Vorzeigeprojekt mit nationaler Ausstrahlung. Für den Kanton ist der Neubau zugleich ein Bekenntnis zum Bildungsstandort und zur Leistungsfähigkeit der Bündner Bauwirtschaft.
Am Standort Pulvermühle in Chur entsteht eines der bedeutendsten Hochbauprojekte der jüngeren Bündner Geschichte. Mit dem neuen Fachhochschulzentrum erhält der Kanton Graubünden nicht nur eine moderne Infrastruktur für Lehre und Forschung. Der Neubau wird auch zum sichtbaren Beweis dafür, dass nachhaltiges Bauen und regionale Wertschöpfung erfolgreich miteinander verbunden werden können.
Heute ist die Fachhochschule Graubünden in der Kantonshauptstadt Chur noch auf mehrere Standorte verteilt. Künftig werden Studierende, Forschende und Mitarbeitende auf einem Campus arbeiten können. Dadurch entstehen kurze Wege, moderne Lernwelten und optimale Voraussetzungen für den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis. Für Andreas Kohne, Kantonsbaumeister und Leiter des Hochbauamts Graubünden, besitzt das Projekt eine weit grössere Bedeutung als die Erstellung eines neuen Hochschulgebäudes. «Mit dem neuen Fachhochschulzentrum Graubünden entsteht eine moderne und nachhaltige Infrastruktur, die Bildung, Forschung und Wirtschaft im Kanton langfristig stärkt», sagt er. Das Gebäude überzeuge nicht nur durch seine Architektur und seine städtebauliche Qualität, sondern auch durch die konsequente Ausrichtung auf nachhaltiges Bauen.
Ein zentrales Element des Neubaus ist der Einsatz von Holz. Der nachwachsende Baustoff übernimmt im Tragwerk eine tragende Rolle und wird dort eingesetzt, wo seine Eigenschaften besonders gut eingesetzt werden können. Gemeinsam mit Beton entsteht eine Hybridbauweise, welche Stabilität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit vereint. Gleichzeitig sorgt das sichtbare Holz im Innern des Gebäudes für eine warme und angenehme Atmosphäre. Besonders bemerkenswert ist jedoch die Herkunft des Holzes. Der Kanton entschied sich bewusst dafür, möglichst viel Holz aus Bündner Wäldern einzusetzen. Damit werden Transportwege reduziert und gleichzeitig die regionale Wertschöpfung gestärkt. «Holz ist ein Rohstoff, der in den Bündner Wäldern ausreichend und in hoher Qualität vorhanden ist. Gleichzeitig ist Holz ein sehr nachhaltiges Baumaterial», erklärt Kohne. Mit dem Projekt würden sowohl die Forstwirtschaft als auch die Bündner Holzwirtschaft gestärkt.
Ganze Holzkette beteiligt
Bis die ersten Holzelemente auf der Baustelle montiert werden konnten, war allerdings viel Vorarbeit notwendig. Insgesamt waren 33 Gemeinden und acht Sägereien an der Holzbeschaffung beteiligt. Das Holz musste frühzeitig geschlagen, verarbeitet und in den benötigten Dimensionen bereitgestellt werden, damit es von der Arbeitsgemeinschaft mit vier Zimmereien verbaut werden kann. «Bei einem Projekt dieser Grössenordnung war die Beschaffung von regionalem Holz organisatorisch anspruchsvoll. Die grosse Vorlaufzeit war entscheidend, damit das Holz rechtzeitig in der geforderten Qualität zur Verfügung stand. Das Zusammenspiel der Verarbeitungskette war sehr wichtig», so Kohne.
Gerade diese enge Zusammenarbeit macht das Fachhochschulzentrum zu einem eigentlichen Vorzeigeprojekt für die gesamte Bündner Holzbranche. Vom Wald über die Sägerei bis zum Holzbauunternehmen sind zahlreiche regionale Betriebe Teil derselben Wertschöpfungskette. Sie zeigen eindrücklich, welches Know-how in Graubünden vorhanden ist und dass selbst Grossprojekte mit regionalen Ressourcen erfolgreich realisiert werden können. Durch die Projektgrösse werden aber auch Grenzen sichtbar. Auch aus bautechnischer Sicht stellt der Neubau hohe Anforderungen. Der hohe Vorfertigungsgrad im Holzbau verlangt eine präzise Planung. Viele Bauteile werden bereits im Werk millimetergenau gefertigt und auf der Baustelle passgenau montiert. Nachträgliche Anpassungen sind nur mit erheblichem Aufwand möglich. «Gerade deshalb sind eine sorgfältige Planung und eine enge Abstimmung aller Beteiligten entscheidend», betont Kohne. Trotz der Grösse und Komplexität verlaufe der Baufortschritt bisher sehr erfolgreich. Dies sei dem grossen Engagement aller Projektbeteiligten zu verdanken.
Neuer Identifikationsort
Nachhaltigkeit beschränkt sich beim Fachhochschulzentrum nicht auf den Baustoff Holz. Das Gebäude erfüllt höchste Anforderungen an Energieeffizienz und Ressourcenschonung. Angestrebt werden die anspruchsvollen Standards Minergie A ECO sowie SNBS Platin. Wo immer möglich werden Materialien nach den Grundsätzen der Kreislaufwirtschaft ausgewählt und auf eine spätere Wiederverwendung ausgelegt. Die Erfahrungen werden weit über den Neubau hinaus Bedeutung haben. «Der Kanton konnte zeigen, dass nachhaltiges Bauen bei Grossprojekten erfolgreich umgesetzt werden kann», sagt Kohne. Die Erkenntnisse aus der regionalen Holzbeschaffung und der engen Zusammenarbeit aller Beteiligten würden künftig auch anderen öffentlichen Bauvorhaben zugutekommen.
Wenn das Fachhochschulzentrum seine Türen öffnet, entsteht weit mehr als ein neuer Campus. Es wird ein Ort, der Bildung, Forschung und Innovation verbindet und sichtbar macht, wozu die Bündner Bauwirtschaft fähig ist. Oder wie Andreas Kohne es formuliert: «Mit dem neuen Fachhochschulzentrum wird nicht nur ein Identifikationsort geschaffen, sondern auch eine attraktive und zukunftsorientierte Bildungs-, Forschungs- und Arbeitsstätte für kommende Generationen.»

