«Ich möchte als Standespräsident bewusst für den ganzen Kanton da sein»
06.10.2026
Mit 35 Jahren ist Fabio Luzio höchster Bündner. Der Standespräsident und Unternehmer aus dem Surses spricht über prägende Begegnungen, seine Verbundenheit mit der Heimat und seinen Wunsch, Menschen für politisches und gesellschaftliches Engagement zu begeistern.
Fabio Luzion, Sie sind mit 35 Jahren höchster Bündner. Was bedeutet dieses Amt ganz persönlich für Sie?
Es ist für mich eine grosse Ehre und alles andere als selbstverständlich, dieses Amt ausüben zu dürfen. Dass mir meine Kolleginnen und Kollegen im Grossen Rat dieses Vertrauen ausgesprochen haben, bedeutet mir sehr viel. Gleichzeitig empfinde ich das Amt vor allem als Verantwortung: gegenüber unserem Parlament, unserem Kanton und den Menschen, die hier leben. Ich möchte dieses Jahr nutzen, um Menschen zusammenzubringen und sie dafür zu begeistern, selbst Verantwortung zu übernehmen und sich politisch oder gesellschaftlich einzubringen.
Welche Begegnungen oder Momente haben Sie seit Ihrer Wahl zum Standespräsidenten besonders berührt oder beeindruckt?
Ganz klar die Standespräsidentenfeier in Savognin. Zu sehen, wie viele Menschen aus Vereinen, meinem Freundeskreis und meiner Familie gemeinsam diesen Tag möglich gemacht haben, hat mich tief berührt. Gerade weil so viele Menschen ehrenamtlich mitgeholfen haben, war diese Feier für mich weit mehr als ein offizieller Anlass. Daneben sind es oft die kleinen Begegnungen, die bleiben: Menschen, die auf mich zukommen, mir gratulieren oder einfach erzählen, was sie beschäftigt. Genau diese Begegnungen und Gespräche machen für mich einen wichtigen Teil dieses Amtes aus.
Sie sind stark mit dem Surses verbunden. Was bedeutet Ihnen Ihre Heimat und was nehmen Sie von dort in Ihr Amt als höchster Bündner mit?
Das Surses ist meine Heimat und mein Lebensmittelpunkt. Hier liegen meine familiären Wurzeln, hier leben meine Familie und viele meiner Freunde. Auch in verschiedenen Vereinen bin ich verwurzelt. Das prägt mich bis heute. Was ich von hier mitnehme, ist vor allem die Erfahrung, dass vieles nur funktioniert, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam anzupacken. Gleichzeitig möchte ich als Standespräsident bewusst für den ganzen Kanton da sein. Graubünden lebt von seiner Vielfalt: von seinen Regionen, Sprachen, Kulturen und ganz unterschiedlichen Menschen.
Sie sind Mitglied des Kantonalvorstands des Bündner Gewerbeverbands und selbst Unternehmer. Was möchten Sie für das Bündner Gewerbe bewirken und welche Anliegen der KMU besonders voranbringen?
Als Unternehmer konzentriert man sich darauf, unter den gegebenen Rahmenbedingungen erfolgreich zu sein. Dabei vergisst man leicht: Diese Rahmenbedingungen sind nicht einfach gegeben. Wir tragen auch Verantwortung dafür, sie mitzugestalten. Deshalb wünsche ich mir, dass sich noch mehr Unternehmerinnen und Unternehmer politisch und gesellschaftlich engagieren und ihre Erfahrungen aus der Praxis in die politischen Diskussionen einfliessen lassen. Gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass dieses Engagement überhaupt möglich bleibt. Wir brauchen weniger unnötige Bürokratie, verlässliche Rahmenbedingungen und genügend unternehmerische Freiheit. Gerade Graubünden hat mit der Digitalisierung, neuen Technologien und der Energiewende grosse Chancen, zusätzliche Wertschöpfung auch in den Regionen zu schaffen.
Wenn Ihr Amtsjahr im Sommer 2027 zu Ende geht: Was möchten Sie persönlich erreicht haben und wie sollen die Bündnerinnen und Bündner Ihr Jahr als Standespräsident in Erinnerung behalten?
Ich muss am Ende meines Amtsjahres keine lange Liste politischer Erfolge vorweisen. Das ist auch nicht die Aufgabe eines Standespräsidenten. Ich würde mich vielmehr freuen, wenn man sich an ein engagiertes Präsidialjahr mit vielen Begegnungen und einem offenen Austausch im ganzen Kanton erinnert. Wenn ich in diesem Jahr Menschen dazu motivieren kann, selbst Verantwortung zu übernehmen und unsere Gesellschaft mitzugestalten, wäre viel erreicht. Das gilt für junge Menschen genauso wie für Unternehmerinnen und Unternehmer. Unsere Demokratie lebt davon, dass Menschen nicht nur beobachten, was die Politik macht, sondern ihre Erfahrungen, Ideen und Überzeugungen selbst einbringen. Gerade in einer Zeit grosser Veränderungen braucht es Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

